Samstag, 17. November 2018

Interview Nachhilfe für Flachatmer

Managern geht schnell die Luft aus, behauptet der Fitnesstrainer Willi Dungl.

mm:

Was tun Sie, um fit zu bleiben?

Dungl: Drei Mal in der Woche sitze ich am Morgen entweder auf dem Fahrradergometer oder bin eine halbe Stunde auf dem Berg unterwegs. Dabei mache ich zwischendurch Entspannungsübungen, mit denen ich Stress abbaue und meine Konzentration verbessere.

mm: Sie haben Thomas Muster und Niki Lauda nach Verletzungen und Krankheiten auf die Beine geholfen, Steffi Graf bittet Sie regelmäßig um Hilfe. Wie macht Fitnesstrainer Dungl Lahme wieder gehend?

Dungl: Ganz einfach: Ich muss mich auf den einzelnen Menschen konzentrieren, dessen Ernährungs-, Bewegungs-, mentale Einstellung analysieren. Wenn ich die kenne, kann ich ein geeignetes Programm aufbauen, vom Waldlauf bis zur Entspannungsübung.

mm: Sie betreuen auch Führungskräfte aus der Wirtschaft. Woran mangelt es denen am häufigsten?

Dungl: Manager sind oftmals Flachatmer. Das ist gerade für diese Gruppe ein Problem, weil der Mensch 30 Prozent des Atemsauerstoffs, in Stress-Situationen sogar 40 Prozent, allein für die Hirnarbeit benötigt. Denen muss ich zunächst die Atmung korrigieren, sonst nützt das beste Bewegungstraining gar nichts.

mm: Was raten Sie den Mühseligen und Beladenen aus der Managerzunft, wie sie ihren körperlichen Leistungsstand verbessern können?

Dungl: Oftmals sind einfach die Prioritäten falsch gesetzt. Der Manager weiß zwar, dass er körperlich mehr tun und anders essen sollte, doch er hält sich im Alltag nicht daran. Die Chinesen haben dafür eine brauchbare Weisheit. Sie sagen: Wenn ich etwas von meinem Körper verlangen will, dann muss ich ihm am Morgen Zeit geben, die Energie dafür aufzubauen. Mindestens 15 Minuten sollte sich der Manager für entsprechende Übungen gönnen, so viel Zeit sollte übrig sein.

mm: Sie selbst setzen auf die Dreieinigkeit von Ernährung, Bewegung und Entspannung. Statt hartem Training bevorzugen Sie die sanfte Tour?

Dungl: Die sanfte Tour bedeutet, dass ich mit der Klientel in erster Linie Kreislauftraining betreibe, mit dem ich allmählich körperliche Leistungsfähigkeit aufbaue, aktiv regenerieren lasse, aber niemanden übermäßig belaste. Schließlich gibt es jedes Jahr dutzende von Toten allein beim Waldlauf, weil die Leute ihren Berufsstress durch Sportstress auf die Spitze treiben.

mm: Wie kann der Manager ausprobieren, wie fit er ist und welches Training er braucht?

Dungl: Eine seriöse Prüfung ist nur per Belastungs-EKG möglich, weil das auch versteckte Herzfehler aufdeckt. Das empfehle ich jedem Einsteiger. Damit kann er die richtige Pulsfrequenz ermitteln und die Belastungen, die für ihn zuträglich sind.

mm: Gibt es Dinge, die Manager auch tagsüber in ihrem Job tun können, um ihre Kondition zu verbessern?

Dungl: Es geht nicht nur um die Kondition. Er sollte zunächst richtig atmen, dann seine Gelenke so oft wie möglich bewegen, damit der Stoffwechsel in den Gelenken funktioniert. So kann er im Büro auf den Lift verzichten und mal ein paar Stockwerke laufen, um damit einen kleinen Kreislaufimpuls zu erzeugen. Für den, der am Computer sitzt, empfehlen sich Ausgleichsübungen zwischendurch, damit Hals- und Schultermuskeln besser durchblutet werden. Es gibt eine ganze Reihe von Übungen, auf die der Körper sofort reagiert. Wichtig ist nur, dass sie oft und regelmäßig ausgeführt werden.


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