Dienstag, 20. November 2018

Die Linke Vorwärts, Bosse!

Oskar Lafontaines Truppe bekommt einen offiziellen Unternehmerflügel. Was treibt Mittelständler ausgerechnet zur wirtschaftsfeindlichsten aller Bundestagsparteien?

Am 15. Juli fragte das manager magazin, ob Diether Dehm für diesen Beitrag für ein Gespräch zur Verfügung stehe. Leider nein, lautete die Antwort. Dehm sei bis Ende August im Urlaub.

 Die Marx-Brothers: Links-Unternehmer Gabriel vor einem Porträt des Fabrikanten und Kommunisten Friedrich Engels
Andreas Pohlmann
Die Marx-Brothers: Links-Unternehmer Gabriel vor einem Porträt des Fabrikanten und Kommunisten Friedrich Engels
Womit eigentlich schon fast alles gesagt ist. Willkommen in der schönen neuen Welt der linken Unternehmer. Willkommen in einer Welt, in der Musikproduzent und Privatradioeigner Dehm, der zusätzlich auch noch als Bundestagsabgeordneter der Linkspartei zeichnet und als Vorsitzender des linksgestrickten "Offenen Wirtschaftsverbands von klein- und mittelständischen Unternehmen, Freiberuflern und Selbständigen" (OWUS) mal eben sechs Wochen Sommerurlaub macht - "Arbeitsurlaub", wie Dehm später in einem kurzen Anruf aus Italien betonen wird.

Es gibt noch andere seltsame Dinge zu entdecken in diesem Paralleluniversum, in dem alle ökonomischen Gesetze ihre Gültigkeit verloren haben - zumindest rhetorisch.

Dort stößt man zum Beispiel auf den bayerischen Unternehmer Joachim Gabriel, der 2009 für die Linke ins Europaparlament will und die Forderung seiner Partei nach acht Euro Mindestlohn noch für steigerungsfähig hält: "Viel zu niedrig, könnten von mir aus auch zehn Euro sein."

Oder Joachim Sroka, der in der brandenburgischen Ackerwüste ein Minikonglomerat aus Stahlbaufirma, Ferienlager und Biotech-Start-up betreibt - und es nicht als Widerspruch zu seiner Linkspartei-Mitgliedschaft empfindet, dass es bei ihm weder Tarifvertrag noch Betriebsrat gibt. "Meine Mitarbeiter brauchen offensichtlich keinen Betriebsrat", sagt Sroka, "sonst hätten sie schon einen gegründet. Sie können mit ihren Sorgen jederzeit zu mir kommen."

Was treibt Unternehmer in die Linkspartei? Was bringt sie dazu, sich für eine Partei zu begeistern, die so ziemlich alles ablehnt, was Unternehmern gemeinhin wichtig ist - der Glaube an Wettbewerb zum Beispiel und an die Gesetze von Angebot und Nachfrage, der Wunsch nach möglichst niedrigen Steuern und nach Freiheit von bürokratischer Gängelung?

© manager magazin 9/2008
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