Montag, 10. Dezember 2018

Business in Neuseeland "Grün bis intellektuell"

Die Neuseeländer setzen sich im Lebensstil ganz deutlich vom großen Nachbarn Australien ab. Mit uns Deutschen haben sie allerdings einiges gemeinsam, weiß Thomas Mechtersheimer, Chef von Fresenius Medical Care in der Region Südasien und Pazifik.

Ernsthaftigkeit zählt: "Die Neuseeländer haben viel von uns Deutschen", sagt Thomas Mechtersheimer, Chef von Fresenius Medical Care Börsen-Chart zeigen in der Region Südasien und Pazifik, "das Mindset ist eher noch sozialdemokratischer geprägt als in der Bundesrepublik." Die vorherrschende Haltung sei "grün bis intellektuell", nach der Arbeit diskutieren die Einheimischen gern einen ganzen Abend ernsthaft über Politik - ein Thema, das beim abendlichen Pub-Besuch mit Australiern ebenso tabu ist wie alles, was mit der Arbeit zu tun hat.

Die Kiwis, wie sie sich selbst gern nennen - nach einer neuseeländischen Vogelart, nicht nach den Früchten - , mögen es nicht, am großen Nachbarn Australien gemessen zu werden.
Verpönter Vergleich: Den Vergleich mit Australien sollten sich deutsche Besucher im Gespräch mit Neuseeländern verkneifen: Die Kiwis, wie sie sich selbst gern nennen (benannt nach einer lokalen Vogelart, nicht nach den Früchten), hassen es, am großen Nachbarn gemessen zu werden. Empfindlich reagieren die Menschen auf alle pauschalen Äußerungen, die mit "Ihr hier unten ..." beginnen.

Gleichwohl arbeiten viele Neuseeländer doch zumindest einige Jahre bei den lauten, lebensfrohen Nachbarn in Australien. Dort liegt die große Welt - allein die Metropolregion Sydney hat etwa so viele Einwohner wie ganz Neuseeland, gut vier Millionen. Dabei ist auch Neuseeland Einwanderungsland, vor allem für Asiaten. In den meisten großen Unternehmen arbeiten deshalb multikulturelle Teams.

Fest und treu: Deutsche Expatriates staunen oft darüber, wie stark sich ihre lokalen Managementkollegen in der Freizeit gesellschaftlich und sozial engagieren. Das wird hier allgemein erwartet. In Verhandlungen betonen Neuseeländer zunächst gern das Gemeinsame, verhandeln zurückhaltend, treffen dann aber präzise und klare Vereinbarungen.

Der Handschlag gilt als Vertrag: Neuseeland-Kenner Mechtersheimer
Der Deal wird gern nur per Handschlag besiegelt, wie es in Deutschland noch unter Pferdehändlern und manchen Hanseaten üblich ist. Und wo dem Australier auch nach dem formalen Vertragsschluss oft noch allerlei einfällt, was er zunächst vergessen hat und das er nun noch flugs aufgenommen wissen will, steht der Neuseeländer fest und treu zum einmal fixierten Inhalt: Wer nachträglich etwas ändern möchte, bricht den ungeschriebenen Komment und steht schnell im Ruf der Unzuverlässigkeit.

Verdächtige Eleganz: Ihr Geschäftsleben gehen die Neuseeländer konservativ an, auch in Sachen Kleidung. Anzüge in gedeckten Farben sind ein Muss, wer allzu elegant daherkommt, macht sich leicht verdächtig. "Das Schicke, Modische ist nicht so angesagt", beobachtet Thomas Mechtersheimer, "es ist ein Land, wo typische deutsche Macher und redliche Ingenieure gut zurechtkommen."

Das Klima ist meist entspannt und gelassen, wie in Australien hat auch hier die Freizeit tendenziell höheren Stellenwert als in Deutschland. Dann zieht es die meisten "outdoors" in die tolle Natur. Auch viele Geschäftsbesucher nutzen die Chance, die Insel zu erkunden. Da winken tolle Erlebnisse zuhauf. Einzige Enttäuschung: Wer auf dem Lande nach einem erfüllten Sightseeing-Tag nach einem Hotel fragt, landet gewöhnlich vor der Kneipe. Betten für müde Touristen offerieren nur die Motels.

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