Freitag, 17. August 2018

Hubert Burda Letzter seiner Art

Hubert Burda - vom manager magazin jüngst in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft aufgenommen - ist ein Verleger, wie man ihn in Deutschland kaum noch findet: gebildet, weltgewandt, ein Kind der Kultur und Moderne.

Der einzigartige und ganz erstaunliche deutsche Verleger Hubert Burda glaubt fest daran, dass Wahrheit und Schönheit auf geheimnisvolle Weise miteinander verknüpft seien und dass deshalb auch ein rätselhafter Zusammenhang bestehen müsse zwischen Qualität und Kunst oder Kasse, um es mal so auszudrücken.

Beweisen lässt sich diese Theorie nicht. Aber sie hat ihren Reiz, und einiges spricht dafür, dass sie stimmt: die Vorstellung, dass zumindest ein Teil der glänzenden und hochbedeutsamen Geschäfte, die der Mensch täglich tätigt, auch einem herrlichen und unermesslichen, wenn auch unbekannten Zweck dienen könnte, und dass das Schöne, Gute und die Waren in einen harmonischen Dreiklang zu bringen sind.

"Ein Verleger, der nicht in der Welt der Literatur oder, vor allen Dingen, in der Welt der Kunstgeschichte lebt: Was soll denn dem einfallen?", fragt Burda. "Das hängt doch alles zusammen." Es klingt so schön, um wahr zu sein.

Aufgewachsen in der Kreisstadt Offenburg im Ortenau, seit der Studentenzeit aber hauptsächlich in München lebend, hat sich Burda den sanft schwingenden Tonfall des ganzen Südens angeeignet, der weich und hügelig und nicht unangenehm anzuhören ist.

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Er ist ein gestauchter Mittelgewichtler von gut einem Meter fünfundsiebzig, mit kleinen, flinken Augen, die nachdenklich, aber auch wachsam sind. Er ist 68 und hat immer noch Mumm in den Knochen. Früher stand er gern im Ring: steife Geraden, Links-rechts-Kombinationen, Haken. Schwinger, tänzeln, wegducken, klammern. Das macht zäh und hält die Bewegungen flüssig.

Etwas Verschmitztes ist ihm eigen, wobei seine Frau, die Schauspielerin Maria Furtwängler (41) meint, es sei eher etwas Lausbübisches. Nun, sie weiß es besser. Burdas Züge, jeder für sich, sind ein wenig falsch, aber in sich ausdrucksvoll und stimmig. Er ist einer jener Menschen, die den Eindruck erwecken, dass man sie mit Sicherheit irgendwo schon einmal gesehen hat.

Des Werktags, wenn der Morgen graut über den Anwesen in München-Bogenhausen oder am Tegernsee, bringt sich der Verleger von "Focus", "Bunte", "Elle" und "TV Spielfilm" mit Versen in Schwung: Eichendorff ("Und meine Seele spannte/Weit ihre Flügel aus"), Krüger ("Im Dunkeln suchen wir/In den alten Wörterbüchern/Nach der exakten Bedeutung von Glück"), Rilke ("Manchmal geschieht es in tiefer Nacht/Dass der Wind wie ein Kind erwacht"). Am Sonntag in aller Herrgottsfrühe begibt er sich in sein Atelier, das niemand sonst betreten darf, und malt.

© manager magazin 7/2008
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