Freitag, 4. September 2015

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Hubert Burda Letzter seiner Art

2. Teil: "Hubertus spirituoso"

Burda ist natürlich Kunsthistoriker und ein großzügiger Förderer der Wissenschaften und Kulturen. Er kann nicht nur boxen, sondern auch Trompete spielen.

Stationen eines Lebens

Privat: Hubert Burda, geboren am 9. Februar 1940 in Heidelberg, ist mit der Schauspielerin Maria Furtwängler verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.
Beruf: Burda ist promovierter Kunsthistoriker und Träger zahlreicher Auszeichnungen im In- und Ausland. Von 1976 bis 1985 war er Chefredakteur der "Bunten". Nach dem Tod des Vaters teilten die Burda-Brüder das Erbe unter sich auf. Hubert Burda übernahm den Verlag und baute ihn zu einem der angesehensten europäischen Medienkonzerne aus. Zu seinen größten Erfolgen gehörte die Einführung des Magazins "Focus" im Januar 1993.
Er fährt Ski und spielt Tennis, beides mehr als passabel, er steigt Berg und ist mit einem Geschäftssinn ausgestattet, der ihn zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der Republik und zu einem der ungewöhnlichsten Vertreter seines Standes gemacht hat.

Als Burda am 4. Juni im "Schlosshotel Kronberg" in die manager magazin Hall of Fame aufgenommen wurde, nannte ihn sein Freund Lord George Weidenfeld, der britische Verleger, in seiner Laudatio einen "Bekenner und Bekehrer" und, etwas untertreibend, "eine vielfältige Begabung". Für ihn sei er "Hubertus spirituoso: ein Kulturmensch, geistreich und witzig".

Der Münchener Gesamtgelehrte ist ein Großverleger klassischen Gepräges, wie man ihn heute kaum mehr findet: von strenger Milde, sorgend und sich kümmernd in einer Gilde, die von Managern dominiert wird, die alle 20 oder 30 Jahre jünger sind als er und von Journalismus und Kultur keine Ahnung haben oder keine Ahnung haben wollen und die statt Zeitungen und Zeitschriften genauso gut Klingeltöne oder Klamotten verkaufen könnten - oder auch nicht, wenn man den allgemeinen Verfall der Auflagen in Betracht zieht.

"Ich bin Stifter des Hermann-Lenz-Preises für Literatur und auch Verleger der 'Bunten'", sagt Burda, "und das bereitet manchen Menschen Kopfzerbrechen." Er ist anders als die modernen Kräfte der Innung und seltsamerweise ist er ihnen trotzdem meistens voraus.

Entflammen und beflügeln können ihn der "Kommunikationsmarkt der Zukunft" und das "Internetzeitalter", der jüngste Roman seines Freundes Peter Handke genauso wie die Hirnforschung oder Goethe oder Florenz im 15. Jahrhundert oder "Focus" oder "digitale Medien" oder überhaupt alles im buchstäblichen Sinne Mögliche. Oder seine Frau. Er redet gern über sie. Er sagt nicht "meine Frau". Er sagt: "Maria ".

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