Freitag, 14. Dezember 2018

Benckiser Von Calgon bis Bally

5. Teil: Aus Freunden werden Konkurrenten

Aus Freunden werden nun Konkurrenten, denn Harfs kleine Branchenfindungskommission hat sich "sehr schnell" (Harf) auf den lukrativen Markt der Luxusgüter kapriziert. Diese Branche gilt als relativ krisenresistent und glänzt mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Außerdem ist die Luxuswelt zersplittert, es gibt also viele potenzielle Übernahmeziele.

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Die Reimanns stimmten Harfs Vorschlag zu. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Im August 2007 wurde die Labelux Group GmbH mit Sitz in Wien gegründet. Ihr Domizil dort ist am Rooseveltplatz 4-5. Unter demselben Dach siedelt auch die Mutter aller reimannschen Aktivitäten, die Joh. A. Benckiser SE, die im Frühjahr 2007 von Ludwigshafen in Österreichs Hauptstadt umgezogen war. Man darf vermuten, aus steuerlichen Gründen.

Im September wurde dann als Labelux-CEO Berndt Hauptkorn (39) eingestellt. Er war neuneinhalb Jahre bei der Boston Consulting Group. Dort hat er als Berater für Handel und Konsumgüter rund 50 Projekte betreut. Aus einem gemeinsamen Projekt kannten sich Hauptkorn und Harf. Der jugendlich wirkende Hauptkorn schwärmt: "Von null an einen globalen Konzern aufzubauen ist ein Traumjob."

In dieser Funktion jettet Hauptkorn nun quer durch Europa. Am Firmensitz in Wien trifft man ihn fast nie. Er ist meist in Mailand, Europas Nabel der Modewelt, und noch häufiger in London.

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Er muss Leute rekrutieren, nach potenziellen Übernahmekandidaten Ausschau halten und die bereits gekauften Unternehmen betreuen.

Drei Firmen hat Labelux bereits im Portfolio: die kleine, edle Londoner Schmuckfirma der Designerin Solange Azagury-Partridge, den New Yorker Modedesigner Derek Lam und den Schweizer Traditionskonzern Bally, der vor allem mit Schuhen und Taschen rund 230 Millionen Euro umsetzt. Rund 370 Millionen kostete Bally, das nach langen Jahren endlich den Turnaround geschafft hat.

Natürlich haben Harf und Hauptkorn weitere Kandidaten auf ihrer Einkaufsliste. Was die Größe anbetrifft, sind sie nicht festgelegt: Es kann eine bereits etablierte größere Marke sein - wie Bally. Oder ein kleines vielversprechendes Unternehmen - wie Solange. Entscheidend sei freilich: Der Übernahmekandidat muss Wachstumspotenzial versprechen.

© manager magazin 7/2008
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