Montag, 17. Dezember 2018

Benckiser Von Calgon bis Bally

3. Teil: Parfüms von Jennifer Lopez

Harf hatte in seinem Kaufrausch auch ein paar Kosmetik- und Parfümfirmen erworben. 1996 spaltete er dieses Geschäft ab und brachte es in eine neue Firma ein - Coty Inc. mit Sitz in New York und zu 100 Prozent im Besitz der Benckiser-Holding. Harf übernahm den Vorstandsjob und ging mit gleicher Konsequenz an den Ausbau des Markenportfolios wie bei Benckiser.

Nachfolger Bernd Beetz (57), seit 2001 im Amt, setzte diesen Kurs fort. Heute hat Coty rund 40 Parfümmarken in seinem Portfolio - von Adidas über Chloé bis Vera Wang. Beetz kreierte auch ein neues Segment: das Celebrity-Parfüm. Das sind Duftwässerchen, deren Flakons die Namen eines Film- oder Popstars zieren.

In Beetz' Eckbüro hoch über der Park Avenue stehen sie, säuberlich gerahmt mit dem Hausherrn an ihrer Seite: Victoria Beckham, Kylie Minogue oder auch Jennifer Lopez. "Die Parfüms von Jennifer Lopez gehören zu den am besten verkauften der Welt", sagt Beetz.

Die nicht unumstrittene Entscheidung damals im Jahr 2002, ein Parfüm der jungen US-Sängerin zu launchen, fiel relativ schnell. "Wir haben hier extrem kurze Entscheidungsprozesse", sagt der frühere Procter-&-Gamble-Manager Beetz - und preist den Vorteil des Familienunternehmens.

Hier schaut keiner ängstlich auf das nächste Quartals-Ebitda. "Hier darf antizyklisch gedacht und gehandelt werden", sagt Beetz, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Marketingetat von Coty um 30 Prozent erhöht hatte.

Sowohl bei Coty als auch bei Reckitt Benckiser werden die Marken gepflegt, und das kostet eben Geld. So gebe Reckitt Benckiser 12 bis 13 Prozent seines Sieben-Milliarden-Euro-Umsatzes für Marketing aus, die Konkurrenz dagegen nur zwischen 6 und 10 Prozent, sagt Reckitt-Benckiser-CEO Bart Becht (51), seit über 20 Jahren ein Harf-Vertrauter. Becht konzentriert die Werbeausgaben sehr stark auf seine 19 globalen Power-Marken (wie Clearasil, Calgon und Airwick).

© manager magazin 7/2008
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