Freitag, 16. November 2018

Metro Räumungsverkauf

Der greise Großaktionär Otto Beisheim ist durch die neuen Machtverhältnisse bei der Metro frustriert und scheint durchaus verkaufswillig, die Zerlegung des Konzerns beginnt - endlich kommt Bewegung in den Düsseldorfer Handelsriesen.

Lange, lange galt Otto Beisheim (84) als treuester Besucher der Metro-Hauptversammlungen. Der Großaktionär (18,46 Prozent) des Handelskonzerns genoss es sichtlich, wenn Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Körber (61) ihn vom Podium aus persönlich begrüßte. Beisheim nutzte den folgenden Applaus gern, um leutselig in die Aktionärsrunde zu winken.

Räumungsverkauf bei Metro: Endlich kommt Bewegung in den Handelsriesen
Doch in diesem Jahr fehlte der Metro-Veteran erstmals seit vielen Jahren. Und aus dieser Tatsache schließen nicht wenige, dass erneut Bewegung in den Aktionärskreis kommen könnte.

Die Zeiten haben sich geändert. Seit Herbst 2007 steht Körber der Metro AG Börsen-Chart zeigen nicht mehr vor. Und Beisheim wurde im vergangenen Sommer durch Kapitalaufstockungen seiner untereinander verbündeten Mitaktionäre, der Franz Haniel & Cie. GmbH (nun 34,24 Prozent) und der Familie Schmidt-Ruthenbeck (15,77 Prozent), im Einfluss stark beschnitten. Für Mehrheitsentscheidungen wird er nicht mehr gebraucht - ein deutlicher Affront gegen den greisen Großaktionär. Den neuen Metro-Chef Eckhard Cordes (57), entsandt von Haniel, kennt Beisheim nur flüchtig.

So werden den alten Mann sein Stolz und sein Trotz daran gehindert haben, am 16. Mai zur Hauptversammlung nach Düsseldorf zu kommen. Sein Herzleiden kann kaum als Entschuldigung herhalten. Immerhin war Beisheim gesund genug, um fast zeitgleich am Tegernsee Golf zu spielen.

Daher werten Unternehmenskenner sein Fernbleiben als fortschreitendes Desinteresse an jenem Unternehmen, als dessen Gründer er lange Zeit galt. Doch diesen Ruhm haben ihm die Brüder Schmidt-Ruthenbeck genommen.

Sie lassen verbreiten, ihr Vater und ihr Onkel seien es gewesen, die 1963 den ersten Metro-Markt in Essen gründeten. Beisheim habe sich erst später beteiligt.

Wie auch immer: Es mehren sich die Anzeichen, dass Beisheim bereit ist, seinen Anteil zu verkaufen. Auch deshalb, weil die Metro-Aktien in den vergangenen Jahren deutlich weniger Rendite abwarfen als ein Tagesgeldkonto.

© manager magazin 7/2008
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