Freitag, 16. November 2018

Wolfgang Porsche Die sanfte Macht

9. Teil: Einfache Antworten, diffizile Probleme

Er malt, wann immer er Zeit dafür findet, mit Sinn für Licht und Schatten und einem feinen Strich. Zwei Stillleben hängen im Eingangsbereich seines Privathauses in Bogenhausen, ein Bauernhaus vor Landschaft ziert die erste Etage.

Pflegt die Familientradition: So oft es Wolfgang Porsche möglich ist, besucht er ein Familienanwesen am Zeller See in Österreich
Von Liebgewonnenem verabschiedet er sich nicht so leicht. Die Freundschaftsbänder, die ihm sein Sohn vor Jahren geschenkt hat, zeigt er gleich zur Begrüßung vor. Als sich seine Tochter Stephanie, aus erster Ehe, Anfang Mai in München trauen ließ, flossen Tränen.

Er vor allem ist es, der die Familientradition pflegt. So oft es ihm möglich ist, verbringt er ein paar Tage auf dem Schüttgut im österreichischen Zell am See, auf dem die Porsches und Piëchs gemeinsam aufwuchsen. Die Ahnen Ferdinand, Louise und Ferry ruhen dort in einer Gruft; in der dazugehörigen weiß getünchten Kapelle kommen die Clanmitglieder zusammen, um die Toten zu ehren. 2004 übernahm Wolfgang das Gut aus dem Besitz der Familie.

Das Renaissance-Schloss Prielau am Zeller See hatte er schon in den 80er Jahren gekauft und in ein Luxushotel samt Spitzenrestaurant umbauen lassen. Die Liebe zum Detail, ein Wesenszug aller Porsches, bricht sich auch hier Bahn. Der Pachtvertrag mit dem Witzigmann-Schüler Jörg Wörther war offenkundig mit derart vielen Klauseln gespickt, dass dieser - so raunen Österreichs Gaumenfreunde -, oft das gleiche Menü aufgetischt haben soll, um zu beweisen, dass seine Kreativität unter der Knebel-Causa leide. Seit 2004 dirigiert ein anderer Starkoch, Andreas Mayer, die Prielauer Pötte und Pfannen.

Wolfgang Porsche ist ein Mann, der einfache Antworten für diffizile Probleme hat. Was dazu führt, dass man ihn leicht unterschätzt: "Er ist cleverer, als er tut", sagt ein Wolfgang-Watcher. Kann dieser Instinktmensch und Romantiker die neue Automacht auf Touren bringen?

Sicher ist: Er nimmt seine Machtbefugnisse wahr. Und er ist gefordert wie wohl noch nie in seinem Leben. Dabei hat er - mit 65 - schon das Pensionsalter erreicht. Seinem Cousin Ferdinand Piëch hatte er indirekt nahegelegt, mit 70 den Aufsichtsratsvorsitz bei VW zu räumen - der folgte dem Rat nicht.

Wie lange will er der Porsche-Anführer bleiben? "Wenn ich kränkeln würde, ja, dann würde man sicher jemand anderes finden", sagt Wolfgang Porsche. Im Moment stelle sich diese Frage nicht.

Und zum Abschied, auf der Veranda, hebt er noch einmal an, einen für den Nachhauseweg: "Kommt ein Mann zum Arzt ..." Aber den kannten wir schon.

© manager magazin 6/2008
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