Dienstag, 13. November 2018

Wolfgang Porsche Die sanfte Macht

6. Teil: Deckungsbeitrag als Maxime

Wolfgang Porsche hingegen ist der Moderator; ein Kaufmann, der sich vor allem um Organisationsfragen, Prozesse und Kosten kümmert. Dieses Metier hat er studiert. Den Doktor der Handelswissenschaften erwarb er an der Wiener Hochschule für Welthandel. Es folgten fünf Jahre Firmenpraxis bei Daimler-Benz, unter der Obhut des damaligen Konzernchefs Joachim Zahn; zunächst im Vertrieb, später in der Beteiligungsverwaltung.

Auf Brettern, die die Autowelt bedeuten: Der 13-jährige Wolfgang, Vater Ferry (r.) und Porsche-Manager Hans Klauser (M.) beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1956
Zu jener Zeit, im Überschwang eines Porsche-Sieges beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, soll der damalige Porsche-Chef Peter Schutz mit dem Gedanken gespielt haben, Wolfgang Porsche zu seinem Nachfolger aufzubauen. Daraus wurde nichts. Zum einen hatte sich die Familie 1972, nach jahrelangem Streit, darauf verständigt, dass kein Porsche oder Piëch mehr ins Management rücken dürfe. Zum anderen wurde Schutz seinen Job schneller los, als er dachte.

Wolfgang Porsche verlegte sich derweil aufs Unternehmerische. Für Yamaha organisierte er den Vertrieb in Österreich. Später expandierte er nach Ungarn, eine Teilhaberschaft wurde ihm avisiert. Doch die Japaner höhlten die Partnerschaft aus. "Ich hatte das Gefühl, die hatten ihren Deckungsbeitrag, aber meiner wurde immer weniger", erinnert sich Porsche. Der Deckungsbeitrag scheint für ihn die Maxime des Handelns zu sein, so wie für andere das Spaltmaß oder das Hubvolumen.

Porsche stieg gefrustet aus, nach 27 langen Zweiradjahren, und trauert dieser Zeit dennoch hinterher: "Spannend und lustig", sagt er, "war es schon."

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Das mag auch damit zusammenhängen, dass es sich um ein externes Engagement handelte, fernab vom Nukleus des Clans. Mittlerweile kümmert sich Wolfgang Porsche um das Kerngeschäft - die Familie.

Die führt ihre Beteiligungen über zahlreiche Gremien, Ausschüsse und Aufsichtsräte. Schon Anfang der 80er Jahre wurde Wolfgang Porsche Sprecher des Porsche-Zweiges; sein Pendant auf der Piëch-Seite ist Ferdinands Bruder Hans Michel.

Seitdem hat sich Wolfgang zu einer Art Superdelegiertem des Clans entwickelt. Er leitet den Gesellschafterausschuss der Salzburger Porsche Holding, des größten Autohändlers Europas. Er sitzt wichtigen Aktionärsgruppen vor, wie - zusammen mit Hans Michel Piëch - der Porsche GmbH, die 23,57 Prozent an der Porsche SE hält. Und für die nächste Porsche-Generation mimt er den Lehrlingsbeauftragten, führt sie an das Unternehmen heran.

"Ein Clan braucht ein Zentrum, sonst zerfällt er", sagt ein Berater der Familie. Die neue Mitte, daran besteht kein Zweifel, ist Wolfgang Porsche.

© manager magazin 6/2008
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