Freitag, 14. Dezember 2018

Was macht eigentlich Hans Reischl?

Der einstige Rewe-Chef Hans Reischl willigte acht Monate vor seiner Pensionierung in einen Aufhebungsvertrag ein. Nur so konnte er einer Entlassung durch den Aufsichtsrat zuvorkommen. Der Korruptionsvorwurf erwies sich später als haltlos. "Ich schaue nach vorn", sagt Reischl heute.

Den 29. April 2004 wird Hans Reischl (68) nicht vergessen. An jenem Tag wurde der Mann, der die Kölner Handelsgruppe Rewe zu dem gemacht hat, was sie heute ist, zum Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Burghard zitiert.

Manch böse Erinnerung:
Ex-Rewe-Vormann Reischl
Der legte dem Vorstandschef einen Aufhebungsvertrag vor. Wenn er nicht einwillige, werde ihn der Aufsichtsrat zwei Stunden später entlassen - acht Monate vor dem geplanten Abschied. Reischl wusste nicht, warum - aber er unterschrieb.

Es sollte schlimmer kommen. In einem im Auftrag der Rewe verfassten Dossier wurde Reischl verdächtigt, von einem Obstlieferanten 100 Millionen Euro Schmiergeld angenommen zu haben. Dieses Papier übergab Rewe der Staatsanwaltschaft, über den "Stern" wurde es an die Öffentlichkeit lanciert.

Reischl stand als Verbrecher da, seine Frau wurde geschnitten. Zwei Firmen, die ihm Aufsichtsratsmandate angeboten hatten, sagten ab. Ein Tankwart fragte ihn, ob er im Kofferraum sein Geld spazieren fahre; Reischl konterte, dazu reiche der Platz nicht aus, und wunderte sich selbst über seine Schlagfertigkeit. Die Reischls erwogen, Köln zu verlassen und nach Österreich zu ziehen.

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Der Korruptionsvorwurf erwies sich als haltlos, die Staatsanwaltschaft nahm nicht einmal Ermittlungen auf. Eine minore Beschuldigung, Reischl habe sein Gesellschafterkonto bei Rewe wie ein privates Girokonto geführt und so gegen das Kreditwesengesetz verstoßen, wurde fallen gelassen.

Was blieb, war der Rufschaden. Doch Reischl verzichtete darauf, Rewe zu verklagen. Auf eine Entschuldigung aus dem Unternehmen, dem er fast sein ganzes Berufsleben diente, wartet er bis heute. Es mag ihm eine Genugtuung gewesen sein, dass Aufsichtsratschef Burghard 2007 aus dem Amt gejagt wurde.

Reischl hat sich gefangen: "Ich schaue nach vorn." Er wirkt wie eh und je im Familienbeirat des Schuhhändlers Deichmann, außerdem in Aufsichtsräten wie bei Arcandor oder der Alten Leipziger.

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