Dienstag, 21. November 2017

Was macht eigentlich Michael Schirner?

Michael Schirners Arbeiten für IBM und Marken wie Pfanni und Creme 21 prägten den Werbestil einer ganzen Generation. Heute genießt der "Beuys der deutschen Reklame" das Leben in der Berliner Kunstszene.

Bolzengerade in die Höhe sprang der Bekanntheitsgrad des Künstlers und Ästheten und Werbemannes Michael Schirner, als er 1981 die für damalige Verhältnisse erstaunliche Feststellung traf: Werbung sei Kunst. Alle hatten gedacht, Werbung sei Reklame. Insofern wunderte man sich über diesen neuen Gesichtspunkt.

Werbelegende Schirner: "Früher habe ich zu 80 Prozent Werbung gemacht und zu 20 Prozent Kunst. Jetzt ist es umgekehrt."
Sabine Bungert
Werbelegende Schirner: "Früher habe ich zu 80 Prozent Werbung gemacht und zu 20 Prozent Kunst. Jetzt ist es umgekehrt."
Auch die Texter und Grafiker in den Agenturen staunten und stellten, von frischem Selbstbewusstsein umzüngelt, immer waghalsigere Experimente an, um Schirners These zu beweisen und um die der Reklame innewohnenden Kräfte, die dieser entfesselt hatte, zu nutzen, so wie man heute Licht zum Heizen nutzt: Sie wollten ihr Publikum von nun an besser, klüger, ja überhaupt unterhalten.

Schirners Einfluss auf die Seelen seiner Standeskollegen war so groß, weil er nicht nur theoretisiert, sondern auch praktiziert hat - eine bis dahin unbekannte schlichte Eleganz, deren größte Zierde das Weglassen war: Auf eine leere weiße Doppelseite setzte Schirner das Wort "schreIBMaschine". Minimalismen wie diese versetzten die Leute in Raserei.

Viele der Branchenbesten, Leute wie Reinhard Springer oder Konstantin Jacoby, haben in der von dem Charismatiker geführten Werbefirma GGK ihre Technik vervollkommnet. Schirner selbst wandte seine Aufmerksamkeit in späteren Jahren wieder verstärkt den Künsten zu. Jetzt ist er 66, aber viel verändert hat er sich nicht: Immer noch umweht ihn diese gewisse Leichtlebigkeit.

Er lehrt Grafik- und Kommunikationsdesign an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung und arbeitet mit seinem in Düsseldorf ansässigen Institut für Kunst und Medien für ein paar Kunden, nichts Großes. "Früher habe ich zu 80 Prozent Werbung gemacht und zu 20 Prozent Kunst. Jetzt ist es umgekehrt", sagt er auf freundliche Art und Weise und in fein geschnittenen, kleinen Sätzen.

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