Mittwoch, 25. Mai 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Führung Die Manager-Klone

Beraterwissen und MBA-Rezepte formen die Elite in den Unternehmen. Doch Kritiker warnen vor den Folgen des Kennzahlendenkens. Sind unsere Manager falsch ausgebildet?

Wer wissen will, wie sich der Weg ins deutsche Topmanagement verändert hat, ist bei Familie Strutz gut aufgehoben. Senior Wolfgang Strutz, Jahrgang '33, absolvierte den Karriereklassiker der alten BRD: Abitur, Lehre bei der Commerzbank, er arbeitete sich hoch, wechselte zur BHF-Bank, stieg auf, wurde 1992 Sprecher der Geschäftsinhaber.

Schlau, aber austauschbar: Die Managementausbildung hat sich globalisiert
Gulliver Theis
Schlau, aber austauschbar: Die Managementausbildung hat sich globalisiert
Eine Welt, die für den Sohn so weit entfernt wirken muss wie der Main und die Menschen, auf die Eric Strutz (43) gute 15 Jahre später vom 48. Stock der Commerzbank aus blickt. Die Bank, in der die Laufbahn seines Vaters einst begann. Vorstandsetage, schwarzes Leder, moderne Kunst. Die sanften Hügel des Taunus zum Greifen nah. Weitblick, Ausblick, Big Picture. Ein guter Platz für Generationenvergleiche.

"Der Karriereweg meines Vaters wäre heute kaum noch möglich", sagt der Finanz- und Personalvorstand. Er selbst studierte in Nürnberg und St. Gallen, 1991 MBA in Chicago, Promotion, einige Jahre bei Boston Consulting (BCG). Strutz Junior, blaue Augen, raumfüllende Stimme, untermalt Sätze gern mit ausgreifender Gestik und mag Wörter wie "tools" oder "leverage". In einem Satz kann er erklären, wie US-Beratungen deutsche Managementdenke beeinflussten: "A.T. Kearney brachte den Prozess-, BCG den Strategie- und McKinsey den Logikansatz." Ohne Internationalität, Beratungserfahrung und MBA, sagt er, "wäre ich nie mit 39 Jahren Vorstand geworden".

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Strutz repräsentiert eine kleine, aber feine Gruppe jüngerer Manager, die in den vergangenen Jahren Einzug in die Chefetagen gehalten hat. Studium an einer renommierten Uni, oft Promotion, Einstieg vielleicht als Vorstandsassistent; im Curriculum Vitae glänzen der MBA einer Top-Business-School oder ein paar Jahre Beratungserfahrung oder am besten gleich beides.

Die Rede ist von Leuten wie Fresenius-Chef Ulf Schneider (MBA in Harvard, Vorstandsassistent bei Haniel), Siemens-Vorsteher Peter Löscher (MBA Harvard) oder Ex-Ebay-Europa-Chef Philipp Justus (WHU, MBA Kellogg School, BCG-Alumnus). Manager wie MVV-Energie-Vorsteher Rudolf Schulten (ehemals Roland Berger) oder die Ex-McKinseyaner Wolfgang Klein (Postbank-Chef) und Zumwinkel-Nachfolger Frank Appel. Überhaupt, die Post: Zeitweise saßen dort vier Ex-Meckis im Vorstand, plus vier bei der Postbank. Auch Strutz muss nur wenige Schritte gehen, um einen Bruder im Geiste der neoglobalen Ausbildung zu treffen: Der neue Commerzbank-Chef Martin Blessing kommt von McKinsey, seinen MBA hat er in Chicago gemacht.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 4/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH