Montag, 10. Dezember 2018

Rohstoffe Gute Mine, böses Spiel

8. Teil: Jäger rüsten die Flinten um

Meist kompensieren die Einsparungen beim Material die Preissteigerungen bei Rohstoffen. Eigentlich müsste der nächste VW-Golf rund 400 Euro teurer sein als das bisherige Modell. Aber an anderer Stelle setzen die Wolfsburger Material effizienter ein, sodass der Autokunde von den Preissprüngen bei Stahl, Aluminium oder Kupfer nichts merkt.

Teures Blei: Wegen des Preisanstiegs rüsten immer mehr Jäger ihre Flinten auf Zinkschrot um
Erst wenn alle Kostensenkungspotenziale ausgeschöpft sind, lässt Garcia Sanz über Preiserhöhungen mit sich reden: "Jeder Zulieferer muss seine Kalkulation offenlegen, damit der Anteil der Rohstoffpreise sofort zu erkennen ist." Gern guckt er sich die Listen persönlich an, auch in Nachtsitzungen.

Bisweilen paaren sich Preisvorteile bei einzelnen Rohstoffen sogar mit umweltschonendem Verhalten. Weil Blei so teuer geworden ist, rüsten immer mehr Jäger ihre Flinten auf Zinkschrot um. Das freut die Naturschützer gleich doppelt: Ein Zinkgeschoss ist weniger giftig - und ballistisch anspruchsvoller.

Fazit: Der Preis bleibt heiß

Die Unternehmen wehren sich, so gut es eben geht. Aber eine Entspannung ist nicht in Sicht. Zwar dürften die überwiegend von Spekulanten genährten Preisexzesse verschwinden, aber das Niveau wird dennoch hoch bleiben.

Sollte sich Chinas Wachstum von derzeit rund 10 auf nur noch 5 oder 6 Prozent verlangsamen, dann füllen eben andere Boomländer wie Indien, Indonesien oder die Golfstaaten die Lücke.

Das Angebot kommt nicht schnell genug hinterher. In den 90er Jahren haben die Konzerne zu wenig in den Aufschluss neuer Minen investiert. Zwar ziehen die Investitionen jetzt an. Aber es dauert im Schnitt fünf bis zehn Jahre, um ein Vorkommen zu vermarkten. Bis 2013, sagen die BGR-Fachleute voraus, bleibe es mithin bei vielen Stoffen "eng".

Wie fragil die Lage ist, zeigt das Beispiel Südafrika. Vom Kap kommen ein Großteil der deutschen Chromerz-Importe sowie wichtige Edelmetalle wie Platin und Rhodium. Wenn sie denn kommen. Stromknappheit, der Exodus von Ingenieuren, ein möglicher politischer Linksrutsch bei den Präsidentschaftswahlen 2009: All das lässt Experten daran zweifeln, ob die Minenriesen ausreichende Neuinvestitionen tätigen können. Die Bergbauchefs selbst sprechen von "verzögernden Elementen", manche gar von "Hysterie".

Eine kapitale Nervosität hat sich auch der aufstrebenden Schürfregion Lausitz bemächtigt. Die stützt sich indes, anders als in Südafrika, auf Optimismus und Vorfreude. Tausend Jobs könnte der ersehnte Kupferboom in Ostdeutschland schaffen. Mindestens, wenn man Jürgen Kopp glaubt.

"Schauen Sie sich dieses Schaubild an; das ist wichtig", sagt der Steineforscher und ruft eine geologische Karte auf seinen Monitor. "Hier und hier und hier" - er deutet auf zahlreiche farblich hervorgehobene Punkte - "könnte noch viel mehr Kupfer liegen."

© manager magazin 4/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH