Montag, 17. Dezember 2018

Rohstoffe Gute Mine, böses Spiel

7. Teil: "Die dunklen Wolken früh gesehen"

Wettbewerbsverstöße und Handelstricks gehören zu Rohstoffmärkten wie Steine und Erden. Der BDI hat jüngst eine schwarze Liste von mehr als 400 Delikten zusammengestellt und an das Bundeswirtschaftsministerium weitergeleitet. Hohe Exportsteuern etwa verhindern in vielen Staaten, dass knappe Rohstoffe ausgeführt werden, Importerleichterungen spülen fremdes Material ins Land.

Gut bestückt: VW-Golf-Fertigung in Wolfsburg
Schon lange ärgern sich die Kupferverarbeiter über sogenannte Zollscheren. Länder wie China oder Korea begünstigen die Einfuhr des Rohstoffs Kupferkonzentrat, zum Beispiel indem sie Umsatzsteuern rückvergüten, und belegen gleichzeitig den Import fertigen Kupfers mit Schutzzöllen. "Unter dem Strich", so NA-Manager Hölandt, "ergibt das eine Subvention von bis zu 45 Prozent."

In solchen Zahlen manifestiert sich auch politisches Versagen. Die EU hat es zum Beispiel versäumt, beim WTO-Beitritt Chinas Vereinbarungen im Rohstoffbereich auszuhandeln. Jetzt, so hofft der BDI, werde die Kommission im Herbst eine neue Initiative zum Thema Rohstoffsicherheit starten.

ThyssenKrupp-Vorstand Ulrich Middelmann (63) rät, im Zweifel von ganz oben Druck auszuüben. Um allen Staaten einen wettbewerbsfähigen Zugang zu Rohstoffen zu verschaffen, sollten OECD oder gleich die G8-Gipfler aktiv werden: "Zu einem fairen Umgang miteinander gehört, dass man dem anderen nicht das Fell über die Ohren zieht."

Die Materialfrage

Mal Kupfer, mal Zink, mal Aluminium: Als Hausbesitzer kann man sich Preisdifferenzen zunutze machen, wenn man seine Dachrinnen erneuern will. Auch in der Autoindustrie werden solche Substitutionsprozesse ausgereizt.

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Zum Beispiel bei Volkswagen. "Seit drei Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit unserer Rohstoffstrategie", sagt Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz (50): "Wir haben die dunklen Wolken früh gesehen."

Beim Einsatz von Katalysatoren prüft VW ständig, ob die vorgegebenen Abgaswerte auch durch einen veränderten Rohstoffmix erreicht werden können, etwa wenn teures Platin durch günstigeres Palladium ersetzt wird. Garcia Sanz: "Wir spielen chemisch mit den Stoffen." Für rund zehn Milliarden Euro jährlich kauft der VW-Manager Rohstoffe ein; da lohnt es sich, akkurat zu wirtschaften.

Ein Expertenteam mit dem nüchternen Titel "Gruppe Einsatzgewichte" hat er ins Leben gerufen. Die hat schon einiges bewirkt: Um eine 500 Kilogramm schwere Rohkarosse zu bauen, musste VW früher eine Tonne Material einsetzen, die Hälfte war also Verschnitt. Heute nutzen die VW-Werker 65 bis 70 Prozent des angelieferten Stahls.

© manager magazin 4/2008
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