Mittwoch, 19. September 2018

Rohstoffe Gute Mine, böses Spiel

3. Teil: Afrika dient als Rohstoffkolonie

Beim "Great Game" kann nur noch China mithalten. Mit viel Staatsgeld versucht Pekings Führung, bei den entstehenden Monopolisten einen Fuß in die Tür zu bekommen. Das bodenschatz- und despotenreiche Afrika fungiert für die Chinesen dank kräftiger Aufbauhilfe als eine Art Rohstoffkolonie. Und mit einer aggressiven Zollpolitik halten sie eigene Vorkommen im Land und locken fremde Lieferanten an.

Das China-Syndrom: Preisentwicklung für Metallrohstoffe
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Das China-Syndrom: Preisentwicklung für Metallrohstoffe
Die Rohstoffknappheit hat sich tief in die Kostenrechnung der deutschen Firmen eingegraben: 2004 gaben diese rund 16 Milliarden Euro für die Einfuhr von Metallen aus, 2006 war es schon fast doppelt so viel.

Investitionsprojekte rechnen sich nicht mehr, werden verzögert oder gestrichen. Ob Agfa-Gevaert, BMW Börsen-Chart zeigen oder Hochtief Börsen-Chart zeigen - viele Konzerne machen höhere Materialpreise für Gewinneinbrüche und Rationalisierungszwänge verantwortlich. "150.000 deutsche Jobs", schätzt Ulrich Grillo, hätten die Preisauswüchse bisher gekostet.

Die deutsche Wirtschaft steckt in der Rohstoff-Falle. Gibt es Auswege? Mit welchen Methoden können die Unternehmen die Folgen zumindest abmildern?

Das Minenspiel

Michael Vogel (62), ein schlanker, großer Mann mit Kurzhaarschnitt und sächsischem Akzent, fasst seine Bestimmung in einem Satz zusammen: "Ich habe mich mein ganzes Leben mit Metallurgie beschäftigt."

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Für die Karlsruher Firma Cronimet, einen der größten Händler und Lieferanten von Edelstahlschrott und Metallrohstoffen, hat er vor fünf Jahren das auf den Weg gebracht, was man in Fachkreisen "Rückwärtsintegration" nennt.

In Armenien hat Cronimet eine staatliche Mine gekauft, die - neben Kupfer Börsen-Chart zeigen - das wertvolle Molybdän produziert und vor Ort verarbeitet. Der Rohstoff veredelt Stahl und ist bisweilen so knapp und begehrt, dass Cronimet ihn per Flugzeug vom Kaukasus herbeischafft.

"Wir wollten unsere Rohstoffversorgung absichern", begründet Vogel den "mutigen Schritt" des Minenkaufs. "Es war ein schweres Stück Arbeit."

Mittlerweile hat sich Cronimet in Armenien etabliert, als größter Steuerzahler und Arbeitgeber. 132 Millionen Dollar hat die Mine gekostet; weitere 150 Millionen wurden bislang investiert, unter anderem für einen Staudamm, der derzeit gebaut wird.

© manager magazin 4/2008
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