Montag, 23. Juli 2018

Vermögensaufbau Meine erste Million

Die meisten Besserverdiener glauben, dass sie von allein reich werden - ein teurer Trugschluss. Dabei ist dieser Traum ganz leicht zu erfüllen. Die Formel: Lebe unter deinen Möglichkeiten.

Seitdem Tim Storm (Namen von der Redaktion geändert) seine Finanzen penibel in Excel erfasst, hat er den perfekten Überblick über seine Verschwendung. Er besitzt unter anderem 94 Hemden, 75 Pullover, 31 Poloshirts und 44 Paar Schuhe und hat die Wahl zwischen 53 Uhren, von Breitling über Rolex bis Swatch.

Die erste Million: Der Weg dorthin heißt sparen und unter seinen Möglichkeiten leben
Come in and find out - dieses Motto gilt überall in seiner Wohnung: Da sind die 75 Parfümflakons im Badezimmer, die 187 Weinflaschen in der Küche, die 683 CDs im Wohnzimmer und - nicht zu vergessen - der BMW 330d sowie das Audi-TT-Cabrio in der Tiefgarage. Doch Storm hat nicht nur die Dreizimmerwohnung im Münchener Inviertel Schwabing, sondern auch ein Apartment in Heidelberg. Putzfrau selbstverständlich inklusive. Und wenn er in Urlaub fährt, dann macht er es nicht unter Fünf-Sterne-Hotels in St. Moritz und Marbella.

Single Storm, 32 Jahre alt, führt ein Leben am Limit. Permanent tanzt er den Dispo-Fox: Über 5000 Euro netto hat der Prokurist einer Unternehmensberatung im Monat, nicht wirklich gefährlich nah an Hartz IV. Aber bevor die Kreditkartenrechnung kommt, klappert er sicherheitshalber noch mal schnell ein paar Geldautomaten ab.

Seit seinem Berufseinstieg vor sieben Jahren hat Storm eine Million Euro verdient und dank profunder Kenntnisse im Steuerrecht den Großteil davon für sich behalten. Doch echtes Vermögen? Fehlanzeige: Die Wohnungen sind gemietet, die Autos geleast, und der Hausrat hat höchstens noch ideellen Wert.

Immerhin, drei Lebensversicherungen hat Storm abgeschlossen; sie sind, auch das ist keine wirkliche Überraschung, kreditfinanziert. Die Policen sollen ihm helfen, seinen größten Wunsch zu erfüllen, die eigene Million. Was die Versicherungen nicht abwerfen, soll sein höheres Gehalt in spe beisteuern, rechnet der Steuerexperte vor: "Ich muss ja an den Einnahmen drehen, weil ich meine Ausgaben eh nicht in den Griff bekomme."

Storm kalkuliert also damit, automatisch Millionär zu werden. Eine weitverbreitete Annahme unter Gutverdienern: "Fast alle glauben, dass sie durch ihre Gehaltssteigerungen zwangsläufig vermögend werden", sagt Rolf Tilmes, Professor für Private Finance & Wealth Management an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Wie unpräzise diese Rechnung in den meisten Fällen ist, zeigt allerdings eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Demnach haben selbst die 10 Prozent einkommensstärksten Haushalte oft kein nennenswertes Vermögen: Obwohl diese im Schnitt über ein Nettoeinkommen von mehr als 80.000 Euro im Jahr verfügen, besitzt die Hälfte weniger als 250.000 Euro - und da ist der Immobilienbesitz schon eingeschlossen.

Der Grund für dieses Missverhältnis zwischen Einkommen und Vermögen ist simpel: Die meisten sind nicht bereit, für das Sparen auf Konsum zu verzichten. Deshalb bedeutet mehr netto in der Regel Cayenne statt Corsa und Mauritius statt Mallorca. Gleichzeitig ist der in diversen Umfragen meistgenannte Traum der Deutschen der Millionärstatus. Schließlich ist ein siebenstelliges Vermögen - weit mehr noch als die große Liebe oder ein Job, der Spaß macht - das Symbol der irdischen Erfolgsdreifaltigkeit schlechthin: Glück, Attraktivität und Freiheit.

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