Montag, 19. November 2018

Investor Deripaska Olegarchie

Aluriese, Autobauer, Baumagnat - Oleg Deripaska ist der erfolgreichste aller russischen Industriellen. Jetzt kauft er sich in Deutschland ein. Sein Ziel: "Anteile an den besten Firmen der Welt".

Am Abend des 18. Januar verspürt Oleg Deripaska jenen inneren Drang, dem er meist bei solchen Gelegenheiten erliegt. Bloß nicht zu sehr auffallen. Wenn es irgend geht, das Rampenlicht meiden.

Das fällt heute gar nicht leicht. Um den Mann im Smoking, der James-Bond-Darsteller Daniel Craig ähnelt, ist alles prachtvoll erleuchtet; der 40-jährige russische Milliardär ist Gast in einem der größten Bühnenhäuser der Welt, in der Opéra National de Paris.

Das Ensemble des Bolschoi-Balletts aus Moskau hat Generalprobe für den Dreiakter "Spartacus". Und Deripaska ist einer der Sponsoren des Gastspiels. Rund 250 Geschäftspartner seiner Firma Basic Element hat Deripaska eingeladen. Hans Peter Haselsteiner etwa, den kernigen Strabag-Chef aus Wien. Oder Herbert Lütkestratkötter, seinen Branchenkollegen vom Essener Baukonzern Hochtief Börsen-Chart zeigen. Einige Größen aus der internationalen Autoindustrie sind angereist. Der französische Premierminister François Fillon kommt auch vorbei.

Trotz der zahlreichen Prominenz ist für viele der scheue Russe die Hauptperson des Abends. Er hält sich meist in kleiner Gruppe am Rande des Geschehens. Kein Auftritt, keine Rede beim anschließenden Empfang im Separée. Ist es Understatement? Ausdruck der ihm nachgesagten Härte? Oder bloß ein leidiger Charakterzug? Jedenfalls ist Deripaska kein Typ zum Anfassen.

Natürlich hätte er allen Grund, sich in den Mittelpunkt zu stellen. Deripaska könnte sich damit brüsten, dass das Geschäftsjahr 2007 für sein Unternehmen das erfolgreichste seit Gründung gewesen ist. Der Umsatz der Gruppe wuchs um mehr als 50 Prozent auf geschätzte 28 Milliarden Dollar an. Beteiligungen an namhaften westlichen Firmen wie Hochtief, Strabag Börsen-Chart zeigen und dem kanadischen Autozulieferer Magna Börsen-Chart zeigen brachten zudem internationale Beachtung.

"Deripaska ist der große Gewinner der Ära Putin", sagt ein in Moskau arbeitender Consultant. Kein anderer russischer Unternehmer hat unter dem Ex-Präsidenten einen so steilen Aufstieg geschafft wie er. Nicht einmal der schillerndste aller Oligarchen, Deripaska-Freund und FC-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch.

© manager magazin 3/2008
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