Mittwoch, 12. Dezember 2018

Sportbusiness Jörg Neubauer

Platz 43 : Jörg Neubauer, Spielerberater

Für die "Bild"-Zeitung war es schlicht der "Hammer". Und auch das restliche Fußballdeutschland feierte Christoph Metzelders Vertragsunterzeichnung bei Real Madrid als spektakulärsten Spielerdeal des Sommers. Aus Sicht des Dortmunder Innenverteidigers verlief der Transfer dagegen so spannend wie ein Wechsel der Krankenversicherung. Den ersten Termin beim spanischen Rekordmeister hatte er im Frühjahr 2007 zur sportärztlichen Untersuchung. Während des zweiten Treffens unterzeichnete Metzelder den Kontrakt. Die Gehaltsgespräche fanden ebenso in seiner Abwesenheit statt wie das Poker um Prämien. Die Feinarbeit oblag seinem Berater Jörg Neubauer (45).

 Jörg Neubauer , Spielerberater
Armin Brosch
Jörg Neubauer, Spielerberater
Neubauer, leicht untersetzt von Statur und stets schwarz gekleidet, zählt zu den Granden in der ebenso umstrittenen wie einflussreichen Beraterbranche. Im Profifußball findet kaum ein Transfer ohne die Spielermanager statt. Einige Berater wie Roger Wittmann oder Lars-Wilhelm Baumgarten betreuen ganze Kicker-Hundertschaften.

Neubauer steuert ein Topportfolio und gilt als wichtiger Ansprechpartner für Spitzenklubs. Bei der WM 2006 hatte kein Berater mehr Schützlinge im DFB-Kader. Neben Metzelder zählen Tim Borowski, Arne Friedrich und Sebastian Kehl zu seinen Kunden. "Ich tausche mich mit Oliver Bierhoff aus und helfe den Spielern so auch im Hinblick auf die Nationalmannschaft", erklärt Neubauer.

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Die Berufung in das DFB-Team kann für die Aktiven wie ein Karriereturbo wirken. Steigt ihr Marktwert, steigen auch die Beraterhonorare. Die bezahlen meist nicht die Spieler, sondern die Klubs, was erklärt, dass Neubauer & Co. dort wenig Freunde haben. Mehr als 30 Millionen Euro zahlt die Bundesliga für die Beraterdienste ihrer Spieler pro Saison. "Lästiges Geld" nennt das ein Vereinsmanager.

Hinzu kommt, dass im Markt Wildwuchs herrscht. Neubauer - von der Ausbildung her Jurist - gilt als seriöser Akteur und gehört damit zu den Exoten. Von den rund 500 hierzulande aktiven Beratern verdienen vielleicht 20 das Prädikat "Manager". Zwar vergibt der DFB eine Lizenz. Doch um das Papier zu erlangen, reichen ein Führungszeugnis und ein Multiple-Choice-Test. "Den schafft jeder Pizzabäcker", spotten Insider. Und so tummeln sich in der Branche zahlreiche kleine Krauter, die ihre Schützlinge gern mal via SMS bei den Vereinsoberen anpreisen.

Angesichts solcher Stümperei hofft Neubauer auf mehr Profis in seinem Geschäft: "Es passiert jede Menge Unsinn. Viele sogenannte Berater sind sich ihrer Verantwortung für die Spieler nicht bewusst."

© manager magazin 1/2008
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