Freitag, 14. Dezember 2018

Zumwinkel-Nachfolger Appel Der Post-Heroe

Frank Appel fehlt jedes Showtalent. Trotzdem wird er nach dem unvermeidlichen Rücktritt von Klaus Zumwinkel Chef des Weltlogistikers Deutsche Post werden. Oder vielmehr: gerade deswegen. Wer ist der Mann, der sich selbst als "postheroischen Manager" sieht?

Leicht vornübergebeugt stand er da, unweit des Buffets; die Gabel in der Rechten, einen Teller malaysisches Allerlei in der Linken. Vorsichtig äugte er umher, trotz seiner reichlich einsneunzig wie von unten herauf. Was er sah? Dass er allein war. Wieder mal.

Frank Appel

Aufstieg: Appel, geboren am 29. Juli 1961 in Hamburg, studierte Chemie und promovierte in Neurobiologie. Ein Beratermandat führte ihn zur Post, wo er seit dem Jahr 2000 Karriere macht.

Rückhalt: Appel ist verheiratet, hat zwei Kinder und gilt als ausgesprochener Familienmensch.

Als Frank Appel (46) sich erstmals den Medien von Nahem zeigte, bei einer Asien-Reise von Post-Managern mit großer Pressegruppe vor fast vier Jahren, da nahm man wenig Notiz von ihm.

Während andere Konzernobere stets umlagert waren, hatte der junge Vorstand immer wieder Zeit zum inneren Dialog.

Der schlanke Mann mit dem hohen, schmalen Denkerschädel und den uneinsehbaren, dunklen Augen animierte auch wenig zum Plausch. Nicht unfreundlich blickte er drein, doch merkwürdig ausdruckslos. Wie ein Wissenschaftler, der ganz in seinen Gedanken ruht.

Künftig wird Appel kaum mehr in Frieden sinnieren können. Er steht vor einem phänomenalen Karrieresprung. Er beerbt Klaus Zumwinkel (64) als Vorstandschef der Deutschen Post - die vielleicht wichtigste Personalie des Jahres in der deutschen Unternehmenselite.

Wenig ist über Appel in Umlauf. Auf flüchtige Betrachter wirkt er nichts-sagend. Und dem Publikum ist er völlig fremd. Er ähnelt einer Blackbox, in der alles stecken könnte: große Talente und Chancen, aber auch Risiken.

Zweifel mögen aufkommen. Ist so einer geeignet, das größte Logistikhaus der Welt zu führen, den global siebtgrößten privaten Arbeitgeber?

Der Kandidat verweigerte sich zuletzt Interviewwünschen. Seinen persönlichen Aufstieg verdankt er maßgeblich Tugenden, die bei Topmanagern selten sind: Stille und Geduld. Nie kämpfte Appel gegen einen seiner Rivalen. Die erledigten sich von selbst.

© manager magazin 2/2008
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