Mittwoch, 21. November 2018

Schlecker Letztes Aufgebot

Sinkender Umsatz, schwindender Marktanteil - Europas Drogerieprimus droht den großen Handelskrieg zu verlieren. Mit neuer Strategie und neuen Marken probt Anton Schlecker jetzt den großen Befreiungsschlag.

Der Mann trägt seine rötlichen Haare im Pagenschnitt, dazu ein schrill-buntes Hemd im Versace-Stil - das ist das Bild, das viele von Anton Schlecker (63) haben. Denn so posierte Europas Drogeriekönig - zusammen mit seiner Frau Christa (60) - auf einem der wenigen Fotos, die in der Öffentlichkeit kursieren.

Und noch ein Bild geistert durch die Medien: Anton Schlecker, der knallharte Unternehmer, der Geheimniskrämer, der Unnahbare.

Wie Bilder manchmal täuschen.

In einem einfarbigen rostbraunen Hemd und schwarzer Hose sitzt Anton Schlecker am Kopf eines großen, ovalen Mahagonitisches, der inmitten eines geräumigen Konferenzraums seiner Firmenzentrale steht.

Und von wegen knallhart und unnahbar: Ganz ruhig und mit sanfter Stimme erklärt er, wo Schlecker steht und wo Schlecker hin will. Er reflektiert, räsoniert und konzediert sogar in aller Offenheit: "Ja, unser Deutschland-Umsatz ist leicht rückläufig." Dafür sei auch die Verkleinerung des Filialnetzes ein Grund, fügt er an.

Schlecker, der Erfinder des Drogeriemarktes, hat die deutschen Lande mit seinen blau-weißen Läden zugepflastert. Auch vor Kleinstädten und Dörfern macht er in seinem unbändigen Expansionsdrang nicht halt. Damit stößt er jedoch an die Grenzen - der Republik, aber auch an seine eigenen.

Zudem ist das Image seiner kleinen, vollgestopften Läden nicht das allerbeste. Und nun rückt ihm auch noch die feinere Konkurrenz von DM und Rossmann immer näher. Deswegen geraten die Umsätze hierzulande unter Druck. Anton Schlecker weiß, dass die fetten Jahre mit den satten Gewinnen vorüber sind und dass er etwas tun muss. Vor ihm liegt eine DIN-A4-Mappe. Er nestelt eine Seite heraus, auf der aufgelistet ist, was er in Zukunft vorhat. Es ist eine lange Liste.

Im Februar startete Schlecker den Verkauf von Medikamenten im Internet. Neben dem Apotheker- will er auch ins Großhandelsgeschäft einsteigen. Er will das Auslandsengagement sowie den Versandhandel forcieren. Und er will mit der gerade erworbenen Ihr-Platz-Kette eine zweite, noblere Marke auf dem hart umkämpften Drogeriemarkt etablieren und ausbauen.

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