Mittwoch, 14. November 2018

A-Tec-Chef Kovats Viel Feind, wenig Ehr

4. Teil: "Das ist die True Economy"

Die riskante Investition rechnete sich. Nach zwei Jahren schrieb Emco schwarze Zahlen.

Schnäppchen: VA Tech wurde im Mai 2003 für 68,8 Millionen von Kovats gekauft
Die Emco war gerade saniert, da schlug der Entrepreneur schon wieder zu: 1999 kaufte er eine zweite Maschinenfabrik, 2001 die dritte. Das Rad dreht sich seither immer schneller - inzwischen sind unter dem Dach der A-Tec rund 70 Gesellschaften versammelt. Das Muster der Übernahmen aber ist immer das gleiche geblieben:

Kovats engagiert sich bevorzugt in angeschlagenen Betrieben der Old Economy ("das ist die True Economy"). Dort kennt er sich aus; wenn er durch die Werkshallen geht oder die Bilanzen liest, weiß er binnen Kurzem, ob in dem Unternehmen vernachlässigte Qualitäten stecken. Dann beginnt das Feilschen. "Der Mann ist ein harter Verhandler, der die Not anderer brutal ausnutzt", sagt ein ehemaliger Weggefährte. Will heißen: Kovats gelingt es fast immer, einen niedrigen Kaufpreis und hohe Subventionen herauszuschlagen.

Ist das Geschäft abgeschlossen, wird zügig restrukturiert - und sofort ein neuer Kredit aufgenommen.

Mit jedem Deal, den Kovats deichselt, steigt sein Kapitalbedarf. Und stets finden sich Banken und Investoren, die ihm Bares anvertrauen. "Die wissen eben", so Kovats selbstbewusst, "dass sie mit mir schöne Renditen erzielen."

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Ein besonders hübsches Schnäppchen erhaschte der Finanzjongleur mit der VA Tech. Für 68,8 Millionen Euro - ausschließlich gepumptes Geld - erwarb er im Mai 2003 gemeinsam mit einigen Privatpersonen knapp ein Fünftel der Aktien. Was Kovats mit dem Anlagenbauer vorhatte, blieb zunächst im Dunkeln. Mal stockte er die Anteile auf, dann reduzierte er sie wieder. Einmal verhandelte er mit General Electric Börsen-Chart zeigen, dann wieder mit Siemens Börsen-Chart zeigen.

Heute behauptet Kovats, es sei von Anfang an sein Anliegen gewesen, VA Tech zu übernehmen und mit der A-Tec zu verschmelzen. Aber sowohl das Management als auch österreichische Politiker legten sich quer. Sie wollten dem Angreifer mit dem fragwürdigen Ruf ihre Industrieperle nicht anvertrauen.

Eineinhalb Jahre lang tobte die Schlacht. Dann verkauften die Investoren ihre VA-Tech-Papiere an Siemens. Reingewinn für Kovats und Konsorten: 50 Millionen Euro.

© manager magazin 1/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH