Sonntag, 16. Dezember 2018

Escada Ein Konzern hängt durch

Despotischer Großaktionär, geschasste Chefs, frustrierte Aufsichtsräte - die bayerische Modefirma Escada hat sich zum Intrigantenstadl entwickelt. Kann ein Franzose das Trauerspiel beenden?

Auf den ersten Blick ist Rustam Aksenenko (33) ein netter junger Mann. Groß, schlank, schwarzhaarig - ein Traum jeder Schwiegermutter. Zudem ist er klug und reich. Doch wer ihn näher kennt, sieht auch seine Schattenseiten: Er ist sprunghaft, ungeduldig, dickköpfig.

Hoffen auf den Franzosen: Das Modelabel Escada schreibt Verluste
[M] manager magazin
Hoffen auf den Franzosen: Das Modelabel Escada schreibt Verluste
Seit rund vier Jahren ist nun dieser junge Russe - erst verdeckt, dann offen - Großaktionär des deutschen Damenmodekonzerns Escada Börsen-Chart zeigen und mischt ihn von seinem Genfer Büro aus auf. Er legt sich mit Vorständen an und vergrätzt Aufsichtsratschefs - und setzt so das jahrelange Missmanagement bei Escada nahtlos fort.

Seit Langem ähnelt die Hauptverwaltung in Dornach vor den Toren Münchens einem Intrigantenstadl, in dem sich Investoren, Vorstände und der Firmengründer Wolfgang Ley (70) bekriegen und über ihren persönlichen Fehden vergessen, dass der Zweck des Unternehmens ist, exklusive Mode gewinnbringend an die Frau zu bringen.

Die Folge: Die einzige deutsche Damenmodemarke von globaler Relevanz schreibt Verluste, fast 27 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Und der Umsatz sinkt weiter - zuletzt um über 1 Prozent auf nun 687 Millionen Euro.

Jetzt soll ein französischer Vorstandschef das schlingernde Unternehmen retten. Er hat einen schweren Job. Wenn Aksenenko-Gefolgsmann Jean-Marc Loubier (52) die anstehende Sanierung nicht schafft, könnte es durchaus sein, dass eine deutsche Erfolgsgeschichte jäh und unromantisch zu Ende geht.

Dabei fing es so märchenhaft an: Deutscher Mann (Wolfgang Ley) traf schöne Schwedin (Margaretha). Sie gründeten Mitte der 70er Jahre eine Familie (Sohn Sven) und ein Unternehmen namens Escada, benannt nach einem Rennpferd. Margaretha entwarf elegante, feminine und - was die Farben betrifft - eigenwillige Mode. Wolfgang, das Verkaufstalent, brachte sie an die Frau. Escada wuchs und wuchs zu einem äußerst erfolgreichen und anerkannten Modeunternehmen.

© manager magazin 1/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH