Montag, 17. Dezember 2018

Familie Freiesleben Diamantenschleifer aus Münster

Edelsteine im Wert von einer Million Euro wurden zu Staub zerrieben, ehe Ulrich Freiesleben ein völlig neuer Schliff glückte. Der Münsteraner handelt mit Brillanten und besitzt eine Schmucklizenz von Bugatti. Doch sein Herzblut hängt an Steinen mit seinen Schliffen.

Nichts im überschaubaren Gewerbegebiet in einem Münsteraner Vorort deutet auf Glitzer und Glamour hin. Selbst Ortsansässige interessiert darum kaum, was sich hinter dem weiß getünchten Fachwerkhaus mit dem kleinen Namensschild "Freiesleben" verbirgt.

Viel Hochkarätiges. Und ein Diamantenhändler, den Branchenkollegen lange als "verrückten Deutschen" bezeichneten. Nicht weil es Ulrich Freiesleben (58) vor zwei Dekaden glückte, als erster - und bislang einziger - Deutscher ein eigenes Einkaufsbüro an der weltgrößten Rohdiamantenbörse in Antwerpen zu etablieren. Sondern weil er sich darauf versteifte, das klassische Diamantendesign zu revolutionieren.

Mit neuen, weltweit patentierten Schliffen bedient die hochmoderne Manufaktur seit nunmehr über einem Jahrzehnt ein kleines, aber feines Marktsegment. Über 200 Schmuckdesigner und Meistergoldschmiede von New York bis Singapur verarbeiten die Diamanten aus Westfalen zu Unikaten. Preisklasse: 2000 bis 150.000 Euro.

Unübersehbar funkelt an Freieslebens dunklem Revers ein Diamantsticker. Die Form des Solitärs ist ungewöhnlich, nämlich quadratisch. Nicht minder auffällig ist der leuchtende Diagonalstern auf dem Stein - ein pures Lichtspiel der Natur, kein extravaganter Schliff.

"Wenn du wählen kannst, wähle das Beste", zitiert der Doktor der Philosophie sein asiatisches Leitmotiv. Dass seine Wahl ausgerechnet auf den härtesten Stoff der Welt gefallen ist, verdankt der belesene Schöngeist allerdings einem Zufall. Bei einem Abendessen in Pforzheim kam er mit einem Diamantenhändler ins Gespräch, der ihm von den guten Geschäftsmöglichkeiten und dem internationalen Flair der Antwerpener Börse vorschwärmte.

"Ich wollte mich unbedingt selbstständig machen", erzählt Freiesleben, der in Münster ein BWL-Studium absolviert hat. Schon in seiner Uni-Zeit gab er ein Anzeigenblatt heraus - warum also nicht mit Diamanten statt mit Druckerzeugnissen handeln?

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