Freitag, 14. Dezember 2018

Was macht eigentlich Percy Barnevik?

148 Millionen Schweizer Franken - als 2002 Percy Barneviks Pensionszahlung bekannt wurde, kam es zu einem öffentlichen Aufschrei. Heute unterstützt der ehemalige ABB-Chef die Hilfsorganisation "Hand in Hand". Die wundersame Wandlung eines Managers.

Welch Unterschied! Vor 20 Jahren - gerade war die Fusion von Asea und BBC zur ABB verkündet worden - gab mir ein griesgrämiger Percy Barnevik ein Interview. In einem Stakkato-Stil ("Yes", "No", "Next question") fertigte der designierte ABB-Chef mich, der damals mit einem fünfseitigen Fragenkatalog ins schwedische Västeras gereist war, in 25 Minuten ab.

Percy Barnevik: Der Schwede lebt heute in London
Und heute? Ein freundlicher Barnevik (66) tritt durch die Tür seines Londoner Stadthauses, lächelt und fragt erst, ob ich das Gespräch in Deutsch oder Englisch führen wolle, und dann, ob ich Sushi möge. Die erste Frage beantwortet er selbst, indem er auf Deutsch sagt, seine Frau (eine Sprachwissenschaftlerin) kritisiere ihn immer wegen seines schlechten Deutsch (das übrigens gar nicht so schlecht ist).

So sitzen wir fast zwei Stunden über Sushi in London und reden auf Englisch über Armut in der Dritten Welt. Das ist Barneviks großes Thema, seit ihn vor acht Jahren zwei schwedische Lehrer ansprachen, ob er sich nicht in Indien engagieren wolle. Barnevik sagte zu, denn er kennt Indien seit 1968, und er mag es. Barnevik stieg bei der Hilfsorganisation "Hand in Hand" ein - mit Rat und Geld. 15 Millionen Dollar schenkte er quasi als Anschubfinanzierung der Organisation, die sich vor allem im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu engagiert.

Nur Geldgeber - eine solche Rolle ist freilich für einen so umtriebigen Menschen wie Barnevik viel zu wenig. Der Ehrgeiz des Advisors ist grenzenlos: Er will "Hand in Hand" zu einer weltweit erfolgreichen Nichtregierungsorganisation (NGO) der Entwicklungshilfe machen. "Flach und effizient wie ein Konzern" - so sein Petitum - soll sie sein. Nur 3 Prozent der Gelder gehen in die Verwaltung, der große Rest kommt direkt bei den Armen an.

"Hand in Hand" vergibt Mikrokredite an Frauen, ermöglicht Kindern eine Schulbildung, baut in Dörfern Bürgerzentren mit Büchereien und Computern. Rund 240.000 indische Frauen haben dank der Hilfe von "Hand in Hand" bereits 80.000 kleine Unternehmen gegründet. Diese Erfolge sprechen sich herum.

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© manager magazin 11/2007
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