Freitag, 14. Dezember 2018

C&A-Clan Brenninkmeijer Kleider machen Leute

Katholisch, sparsam und verschwiegen - mit sehr ungewöhnlichen Methoden hat die C&A-Familie Brenninkmeijer ein weltumspannendes Imperium geschaffen. Eine Inside-Story über eine der seltsamsten Sippen Europas.

Mit röhrendem Motor braust ein knallroter Ferrari den Berliner Ku'damm entlang. Der junge Mann am Steuer lenkt lässig mit einer Hand, das Verdeck hat er zurückgeklappt. George Brenninkmeijer (52), der an diesem Spätsommertag über die Flaniermeile der Hauptstadt schlendert, schaut dem aufgemotzten Gefährt nach, schüttelt den Kopf und sagt abfällig: "So etwas gibt es bei uns nicht."

George - der saloppe Gebrauch des Vornamens sei der Kürze halber erlaubt - würde nie mit so einem Wagen durch die Gegend brausen. Er gönnt sich keinen Chauffeur, er fliegt auch auf Interkontinentalreisen nicht in der First, und er wohnt statt im noblen Grunewald im bürgerlichen Steglitz - obwohl seine Familie mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 25 Milliarden Euro zu den reichsten der Welt zählt.

Wer den Namen Brenninkmeijer trägt, der hat genügsam zu sein. Die Großfamilie, die vom Baby bis zum Greis über 500 Mitglieder zählt, befolgt einen strengen Moralkodex, zu dessen wichtigsten Vorschriften jene gehört: bloß nicht protzen, bloß nicht auffallen.

Sehr wohl leistet sich mancher Brenninkmeijer eine luxuriöse Villa - aber immer mit einer hohen, blickdichten Hecke drum herum. Am liebsten, so scheint es, würde sich die geheimniskrämerische Dynastie unsichtbar machen. Öffentlichkeitswirksame Auftritte sind verpönt, kein Familienmitglied ward je bei einer Sause auf Sylt oder beim Après-Ski in Kitzbühel abgelichtet.

Seit 166 Jahren hält die skurrile Sippe unverbrüchlich zusammen. Alle Brenninkmeijers bekennen sich zum katholischen Glauben, alle besitzen einen niederländischen Pass, auch wenn sie in Mexiko-Stadt, Madrid oder Meerbusch wohnen. Und alle haben sich vor ein paar Jahren auf eine einheitliche Schreibweise ihres Namens geeinigt. Das "y", das auf die deutsche Abstammung hindeutet, wird sukzessive durch das niederländische "ij" ersetzt. "Eintracht macht stark" - selbst bei der Namensgebung halten sich die Brenninkmeijers an das Motto ihrer Ahnen.

Groß und bekannt geworden ist der Clan mit dem Textilhandel. Die rund 1400 C&A-Kaufhäuser in Europa, Lateinamerika und China machen jedoch nur noch ein gutes Drittel des Impe-riums aus, das über 50.000 Menschen beschäftigt.

Ende der 90er Jahre hat die Familie begonnen, ihren Besitz neu zu strukturieren. Riesige Vermögenswerte wurden umgeschichtet - weg von der Bekleidung, hin zum Geschäft mit Grundstücken und Gebäuden sowie zu Private-Equity-Engagements und Finanzdienstleistungen.

© manager magazin 10/2007
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