Samstag, 22. Juli 2017

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Testamente Der perfekte Abschied

5. Teil: Ohne Zeitverzug handeln

Zumeist sollen nur die eigenen Abkömmlinge erben, nicht aber die Schwiegerkinder. Eltern, die dies festlegen wollen, sollten ohne Zeitverzug handeln, rät der Hamburger Anwalt Ulrich Gerken.

Nino von Finck: Die Familie verweigert Auskünfte über das Erbe, das dem Spross der Bankiersdynastie einst zustehen wird. Für Nino stehen mehrere Milliarden auf dem Spiel.
Verliebt sich etwa die Tochter des Reeders aus dem vornehmen Elbvorort der Hansestadt in einen dahergelaufenen Webdesigner, wird recht bald auch der Familienanwalt des Schifffahrtsunternehmers von der aus Sicht der Eltern möglicherweise beunruhigenden Verbindung erfahren. Gerken: "Dann lautet die Frage: Wie schaffen wir jetzt möglichst schnell eine wasserdichte Erbschaftsregelung?"

Diverse Wege stehen offen. Wenn der Vater seiner Tochter bereits zu Lebzeiten im Wege der Schenkung Werte übertragen möchte, sollte er in den Schenkungsvertrag eine Rückfallklausel aufnehmen: "Darin kann vereinbart werden, dass der Vater die Schenkung widerrufen kann, wenn seine Tochter kinderlos vor ihm stirbt." Dann fließt das Vermögen an die Eltern zurück.

Will der Vater seinen Besitz erst nach seinem eigenen Tod an die Tochter weitergeben, kann er sie als so genannte Vorerbin und andere Personen - zum Beispiel die aus der Ehe zwischen Reederstochter und Webdesigner hervorgegangenen Kinder - als Nacherben einsetzen. Dann bliebe die Tochter lebenslang Erbin, doch nach ihrem Tod würde das Familienvermögen unter Umgehung des Gatten direkt den Enkeln zufallen. So bliebe die Familienerbfolge gewahrt.

Welchen Weg auch immer eine vermögende Familie wählt, um ihren Reichtum unbeschadet an die kommenden Generationen weiterzureichen, wichtig ist, dass die Entscheidungen mit Bedacht gefällt werden. "Testamente sind nichts für schlechte Launen und auch nichts für den letzten Atemzug", warnt der Bonner Anwalt Marc Jülicher.

Testamentsverfasser sollten, so schwer das mitten im Leben fallen mag, dem Gedanken an den eigenen Tod nicht ausweichen und rechtzeitig mit der Nachlassplanung beginnen. Das Erbrecht hält unzählige Gestaltungsmöglichkeiten bereit.

Dabei legen Anwälte ihren begüterten Mandanten insbesondere ans Herz, keine offensichtlichen materiellen Ungerechtigkeiten entstehen zu lassen. Aus dem Gefühl einzelner Erben, übervorteilt worden zu sein, erwachsen später die hartnäckigsten Konflikte, sagt Jülicher: "Es sind die Zukurzgekommenen, die den Krieg eröffnen."

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