Dienstag, 27. Juni 2017

Neidgesellschaft Die gelbe Gefahr

Die Verteilung der Einkommen und Vermögen spitzt sich in Deutschland weiter zu. manager magazin hat die Bundesbürger daher befragen lassen, was sie von den reichsten Deutschen halten. Ergebnis: Wer viel Geld hat, muss auch Neider ertragen.

Im Spiel offenbart der Mensch seine wahre Natur und lässt einen Blick in die Gefilde, aber auch in die Abgründe seiner Seele zu, die im Alltag gewöhnlich verborgen bleiben.

Extrem destruktiv: "Aus Neid entsteht in menschlichen Gesellschaften ein Rattenrennen"
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Extrem destruktiv: "Aus Neid entsteht in menschlichen Gesellschaften ein Rattenrennen"
Der Frage beispielsweise "Wie neidisch ist eigentlich der Mensch?" gingen Forscher der britischen Universität Warwick nicht zuletzt aus diesem Grund sozusagen spielerisch nach: Sie ersannen ein höchst interessantes, aber auch erschreckendes Laborexperiment zur Neidmessung.

Jeder Proband bekam etwas Geld, das er beim Wetten einsetzen konnte - einige willkürlich ausgewählte Teilnehmer allerdings erhielten darüber hinaus einen zusätzlichen Betrag in unterschiedlicher Höhe. So bildete sich in Stufe eins des Spiels, wie im wahren Leben, eine höchst ungleichmäßige Vermögensverteilung heraus - und es ging sogleich spannend zu.

Denn in Stufe zwei des Experiments hatten die Probanden die Möglichkeit, das Geld der anderen Mitspieler "zu verbrennen", also deren Guthaben zu verringern. Um ihr Ziel zu erreichen, mussten sie freilich eine Art "Neidersteuer" entrichten.

Mit anderen Worten, ein Neider konnte einen Mitspieler nur unter der einen Voraussetzung schädigen, dass er bereit war, seinerseits einen Vermögensverlust hinzunehmen. Die Ergebnisse des Experiments waren frappierend: 62,5 Prozent der Teilnehmer zeigten neidisches Verhalten, indem sie, um den Preis eigener Verluste, das Geld ihrer Konkurrenten "verbrannten".

Besonders rabiat gingen die sogenannten Armen zu Werke, jene Probanden, die in der ersten Runde kein zusätzliches Geschenk erhalten hatten und offenbar das Gefühl hatten, zu kurz gekommen zu sein: Sie versuchten mit besonders großem Nachdruck, die Vermögen der Glücklicheren zu verringern.

Dabei zeigte sich: Je größer das Geschenk in Stufe eins ausgefallen war, desto energischer wurde es den "Reichen" von den Unterprivilegierten wieder abgeknöpft. Kurz und gut, das Experiment brachte eine Art progressive Vermögensteuer hervor.

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