Montag, 23. Juli 2018

Neidgesellschaft Die gelbe Gefahr

7. Teil: Die Regeln des Rattenrennens

Entsprechend haben sich die Regeln des deutschen Rattenrennens verändert. "Keeping up with the Joneses" heißt für zwei Drittel der Bundesbürger nicht mehr: die Leiter weiter nach oben steigen. Sondern: sich festklammern, wo man ist. Womöglich gar: nicht schneller absteigen als die anderen.

Die Einkommenstreppe: Teilt man die Privathaushalte nach ihren Einkommen in zehn gleich große Gruppen ein, entsteht eine Treppe: Das obere Zehntel der Gesellschaft verfügt über 22,4 Prozent der Einkommen, das untere über nur 3,1 Prozent. In vielen anderen Ländern ist die Verteilung ungleicher.
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Die Einkommenstreppe: Teilt man die Privathaushalte nach ihren Einkommen in zehn gleich große Gruppen ein, entsteht eine Treppe: Das obere Zehntel der Gesellschaft verfügt über 22,4 Prozent der Einkommen, das untere über nur 3,1 Prozent. In vielen anderen Ländern ist die Verteilung ungleicher.
Der naturgegebene Neid übersetzt sich deshalb weniger in produktive Leistungsbereitschaft als vielmehr in destruktive Umverteilungsgelüste - die positive soziale Dynamik der prosperierenden Wirtschaftswunder-Nation hat sich in ihr Gegenteil verkehrt.

Mit feinem Gespür für die animalischen Instinkte der großen Mehrheit hat die Große Koalition zum Beispiel die "Reichensteuer" beschlossen.

Deren eigentlicher Sinn ist nicht die Konsolidierung des Staatshaushalts, sondern die Schädigung der sehr gut Verdienenden.

Dass der Preis dieser Politik hoch ist - weil sich viele der Angesprochenen dem großen Treck von Deutschen ins Ausland anschließen und ihre Produktivität künftig nicht mehr hierzulande entfalten ( siehe "Auswanderung: Ihr fehlt uns") -, nimmt die schwarz-rote Regierung hin. Nicht gerade ein Ausweis souveräner politischer Führung.

Neid sei zwar in der Gesellschaft allgegenwärtig, warnte einst der 1993 verstorbene Sozialforscher Helmut Schoeck, er dürfe aber nicht zur Maxime der Politik werden.

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Denn von Missgunst verformte Steuer- und Transfersysteme drohen eine Gesellschaft zu degenerieren, wie im Geldverbrennungsexperiment von Warwick. Der Staat, fordert Schoeck, solle deshalb so handeln, "als ob man auf den Neider keine Rücksicht zu nehmen brauche".

Die Forderung nach einer missgunstfreien Politik entlässt die glücklichen Beneideten indes nicht aus ihrer sozialen Verpflichtung. In jeder Gesellschaft und zu allen Zeiten mussten sich die Privilegierten für ihre herausgehobene Stellung rechtfertigen, durch Leistungen, die der Allgemeinheit zugutekommen.

Bill Gates und Warren Buffett, zwei der reichsten Männer der Welt, haben die größten Teile ihrer Milliardenvermögen gespendet. Viele der reichsten Deutschen - bei der Mehrheit handelt es sich um typische mittelständische Unternehmerfamilien - engagieren sich in ihrer Region, kümmern sich teils persönlich um Mitarbeiter und deren Familien.

© manager magazin 13/2006
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