Donnerstag, 20. September 2018

Neidgesellschaft Die gelbe Gefahr

6. Teil: Wohlhabender, aber nicht glücklicher

Deshalb blieben die Leistungsanreize in den westlichen, nivellierten Mittelschichtsgesellschaften der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhalten.

Es ging nicht ums "Catching up with the Rockefellers", sondern um das schlichtere "Keeping up with the Joneses" - den materiellen Wettbewerb mit den Leuten von nebenan. Man kämpfte um das neue Automodell, die nächste Kleidermode, die weitere Urlaubsreise, das tollere Haus.

Umverteilung von unten nach oben: Seit 1990 ist die Verteilung der Einkommen in Deutschland immer ungleichmäßiger geworden. Die Gründe sehen Sozialforscher vor allem in der gestiegenen Arbeitslosigkeit und im höheren Rentneranteil sowie in der Senkung des Spitzensteuersatzes.
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Umverteilung von unten nach oben: Seit 1990 ist die Verteilung der Einkommen in Deutschland immer ungleichmäßiger geworden. Die Gründe sehen Sozialforscher vor allem in der gestiegenen Arbeitslosigkeit und im höheren Rentneranteil sowie in der Senkung des Spitzensteuersatzes.
Dieser Dynamik folgend, wurden die Menschen zwar immer wohlhabender, aber nicht glücklicher. Seit Jahrzehnten nimmt die Lebenszufriedenheit in den reichen Wirtschaftsnationen nicht zu. Das gilt nicht zuletzt für Deutschland. Die Mehrheit der Bürger erlebt inzwischen, dass ihr Lebensstandard mitnichten steigt. Seit Mitte der 90er Jahre stagnieren die Durchschnittseinkommen nach Abzug von Steuern, Abgaben und Inflation.

Zugleich polarisiert sich die Verteilung immer stärker. Die am besten verdienenden 30 Prozent der Gesellschaft kommen heute auf 50 Prozent der Einkommen, die am schlechtesten gestellten 30 Prozent nur noch auf 14 Prozent.

Noch wesentlich ungleichmäßiger sind die Vermögen verteilt: Die wohlhabendsten 30 Prozent der Bevölkerung besitzen stattliche 82 Prozent der privaten Vermögen, die ärmsten 30 Prozent kommen auf sage und schreibe null Prozent.

Egal, ob man Einkommen oder Vermögen betrachtet: Die Verteilung spitzt sich weiter zu. Die obersten 30 Prozent gewinnen, die untersten 30 Prozent verlieren - und die 40 Prozent dazwischen stagnieren. Das ist das Muster seit Anfang der 90er Jahre.

© manager magazin 13/2006
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