Montag, 23. Juli 2018

Neidgesellschaft Die gelbe Gefahr

5. Teil: So sein wie die Aldi-Brüder?

"Neid ist einer der zentralen Motoren der Marktgesellschaft", sagt der Frankfurter Psychologieprofessor Rolf Haubl, Verfasser eines Standardwerks zum Thema*. Es ist die historische Leistung der offenen bürgerlichen Gesellschaft, die destruktive Missgunst in produktive Anreize umzumünzen.

Patriotische Forderungen: Reiche sollen sich für Deutschland engagieren und hier Steuern zahlen - wer ins Ausland zieht, findet kaum Verständnis.
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Patriotische Forderungen: Reiche sollen sich für Deutschland engagieren und hier Steuern zahlen - wer ins Ausland zieht, findet kaum Verständnis.
Es komme ganz darauf an, "was der Gegenstand des menschlichen Rattenrennens" sei, meint der Experimentalökonom Daniel Zizzo.

Entzündet sich der Neid an der Zuteilung staatlicher Transferzahlungen und Steuerbelastungen - oder am Erfolg wagemutiger Unternehmer, Wissenschaftler, Künstler? Ein großer Unterschied, befindet Zizzo. Gesellschaften, deren Mitglieder den erfolgreichen Entrepreneuren nacheiferten, seien eher in der Lage, neidische Ur-Instinkte in ökonomische Erfolge zu verwandeln, als solche, die - ähnlich wie die Spieler im Geldverbrennungsexperiment -, in Kauf nähmen, sich selbst zu schädigen, wenn sie dadurch dem anderen Verluste zufügen können.

Aber auch Deutschland ist nach wie vor ein Land, in dem unternehmerische Leistungen und die daraus resultierenden finanziellen Segnungen respektiert werden, wie die mm-Untersuchung zeigt: Immerhin die Hälfte der Befragten hält die Begüterten für "überwiegend sehr erfolgreiche Unternehmer, die es verdient haben, ein so großes Vermögen zu besitzen".

Allerdings sind die reichsten Deutschen nur für wenige der Befragten auch Vorbilder, an denen sich ihr eigener Ehrgeiz entzündet. Möchte man so sein wie die Aldi-Brüder, Otto Beisheim oder Hasso Plattner? Eher nicht. Lediglich 22 Prozent der Bundesbürger sagen, die Existenz großer Vermögen sporne sie persönlich zu mehr Leistung an.

Das ist keine Überraschung: Menschen vergleichen sich weniger mit Vertretern gesellschaftlicher Sphären, die außerhalb ihrer Reichweite liegen. Neidgefühle entwickelt der Mensch eher gegenüber Mitgliedern der gleichen sozialen Schicht - "gegenüber einem früheren Schulkollegen, einem Nachbarn oder einer Arbeitskollegin, wo jemand glaubt, dass der Erfolg in Reichweite lag, aber trotzdem nicht eintrat", so der Züricher Ökonom Ernst Fehr.

© manager magazin 13/2006
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