Montag, 19. November 2018

Neidgesellschaft Die gelbe Gefahr

2. Teil: Mieses Zeugnis für die Spezies Mensch

"Aus Neid entsteht in menschlichen Gesellschaften ein Rattenrennen", sagt der italo-britische Ökonom Daniel Zizzo. "Und das kann extrem destruktiv sein."

Zwiespältige Gefühle: Die Deutschen haben mitunter eine widersprüchliche Haltung gegenüber großen Vermögen.
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Zwiespältige Gefühle: Die Deutschen haben mitunter eine widersprüchliche Haltung gegenüber großen Vermögen.
Am Ende hatten die Probanden ein ökonomisches Desaster angerichtet: 48,7 Prozent des insgesamt vorhandenen Geldes wurden vernichtet.

Das Experiment, ersonnen und analysiert von Zizzo und seinem Kollegen Andrew Oswald, stellt der Spezies Mensch ein ziemlich mieses Zeugnis aus: Im Zweifel ist der Neid stärker als die (wirtschaftliche) Vernunft. Offenbar ist der Laborversuch von der Wirklichkeit nicht weit entfernt: Im Experimentierfeld Deutschland nimmt sich das Rattenrennen nicht wesentlich ansehnlicher aus.

Dies belegt eine repräsentative Untersuchung im Auftrag des manager magazins für die Bundesbürger gefragt wurden, wie sie die Besitzer großer Vermögen sehen.

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Die Ergebnisse erinnern an die Zizzo-Versuche: 80 Prozent der Bundesbürger fordern, dass sehr wohlhabende Mitbürger stärker zur Kasse gebeten werden, etwa mittels der "Einführung einer Vermögensteuer auf große Vermögen" - auch auf die Gefahr hin, dass Deutschland diese Vermögen an attraktivere Länder verliert.

Der Geldadel hat aus Sicht des Durchschnittsverdieners gegenüber der Gesellschaft eine Bringschuld: Wer reich ist, verlangt eine große Mehrheit von 73 Prozent, solle auch verstärkt investieren und spenden und dürfe durchaus öffentlichem Druck ausgesetzt werden.

Aber den Begüterten dafür entgegenkommen mit ähnlich günstigen Steuern wie in den Nachbarländern Schweiz und Österreich oder mit einer zumindest reichenfreundlichen Stimmung, die die Erfolg-Reichen "öffentlich als Vorbilder" hinstellte?

© manager magazin 13/2006
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