Mittwoch, 14. November 2018

Roche/Genentech Happy Pills

Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Pharmariesen Roche und der amerikanischen Genentech gilt als außergewöhnlich erfolgreiche Firmenehe. Sie fußt auf Eigenständigkeit, Vertrauen und Geduld - und taugt auch als Vorbild für Übernahmen in anderen Branchen.

Fast jeden Tag landen Möwen auf der bräunlich schimmernden Skulptur im Zentrum des Genentech-Campus südlich von San Francisco. Mal lassen sich die Vögel auf dem bronzenen Kopf von Robert Swanson nieder, mal auf dem Haupt von Herbert Boyer. Entsprechend befleckt sehen die Gründerväter des Unternehmens aus.

Stetig anschwellender Gewinnfluss: Medikamente wie Herceptin helfen nicht nur den Patienten
Die rein biologische Patina passt ins Bild. War es doch das Duo, das 1976 erstmals millionenschwere Investitionen in eine Branche schoss, die es bis dahin in industriellem Sinne gar nicht gab: Gentechnologie, also die Erforschung der Erbsubstanz und die Entwicklung neuer Methoden, artfremde Gene in einen Organismus einzuschleusen.

Ihr neues Unternehmen nannten der Wissenschaftler Boyer und der Risikokapitalgeber Swanson Genentech. Daraus entwickelte sich eine Firma, die heute weltweit führend in der Krebsforschung ist. Ihre Medikamente Herceptin, Rituxan und aktuell vor allem Avastin helfen nicht nur Patienten, sondern sorgen in gleich zwei Firmenkassen für einen stetig anschwellenden Gewinnfluss.

12.000 Kilometer östlich der Genentech-Zentrale in Basel bereitet sich Projektleiter Erich Hochuli auf den Testbetrieb einer hoch komplexen Fabrik vor. Hier, hinter einer gläsernen Fassade, will der Pharmariese Roche Börsen-Chart zeigen ab 2008 das Mittel Avastin fertigen. Inzwischen ist das Präparat gegen Dick- und Enddarmkrebs, gegen Brust- und Lungenkrebs in fast 100 Ländern zugelassen. Fast zwei Milliarden Euro Umsatz erreichte es 2006, ein Plus von 76 Prozent.

Die Verkäufe haben sich so beschleunigt, dass Roche 240 Millionen Euro in die Anlage investiert. Dort wird der Avastin-Wirkstoff, der Antikörper Bevacizumab, künftig mithilfe von Fermentationskesseln, Zentrifugen und Hamsterzellen nach den geheimen Kochrezepten von Genentech hergestellt.

© manager magazin 7/2007
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