Freitag, 14. Dezember 2018

Was macht eigentlich Martin Bangemann?

Martin Bangemann wähnte sich stets auf der richtigen Spur. Nach kurzem Beraterdasein für die spanische Telefónica verschwand der ehemalige EU-Kommissar und einstige FDP-Chef alledings in der französischen Provinz. Zu den meisten alten Weggefährten hat er keinen Kontakt mehr. Geblieben ist dagegen sein Geschäftssinn.

Zwischen dem Selbst- und dem Fremdbild eines Menschen klafft nicht selten eine beachtliche Lücke. Manchmal ist sie gar so groß wie bei dem Geisterfahrer, der im Radio von einem entgegenkommenden Falschfahrer hört und sich lautstark empört: "Einer? Hunderte!"

Beachtliche Lücke:
Ex-FDP-Chef Bangemann
Martin Andreas Bangemann (72) wähnte sich stets auf der richtigen Spur. Dass andere sein Pöstchen-Hopping als Irrfahrt ansahen, bei der nur die großzügige Auslegung der Work-Life-Balance und das konsequente Aussitzen von Peinlichkeiten Spuren hinterlassen haben, interessierte den Drei-Zentner-Mann nie.

Seit er vor einigen Jahren angesichts allzu übersichtlicher Erfolge bei Telefónica Börsen-Chart zeigen ausschied, hat sich der Freund exquisiter Kost zusammen mit seiner Frau Renate in die hinterste Ecke der französischen Provinz zurückgezogen. Das Anwesen, in seinen Ausmaßen durchaus dem Hausherrn ähnlich, liegt auf halber Strecke zwischen La Rochelle und Limoges - fernab von nennenswerter Zivilisation.

Am Telefon gibt sich der Einsiedler entsprechend einsilbig. Er werde ja eh immer missverstanden, lässt er wissen. Und tschüs.

Kenner des Hauses berichten, dass der Literaturliebhaber, der sich schon zu offiziell aktiven Zeiten in Sitzungen mehr auf den mitgebrachten Roman als die ausliegende Tagesordnung konzentrierte, viel Zeit in seiner heimischen Bibliothek verbringt, die über 10.000 Werke umfasst.

Den Nachschub dafür besorgt sich der seit jeher reisefreudige Lebemann noch immer in der Buchhandlung am Bundestag. Mit Taschen ikeaschen Ausmaßes läuft er dann durch Berlin. Auf einen Kaffee trifft sich der Liberale in der Hauptstadt jedoch nur selten. Zu den meisten alten Weggefährten hat er keinen Kontakt mehr.

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