Freitag, 20. Juli 2018

Sammler Jäger in Nadelstreifen

Uhren zu sammeln, kostet viel Zeit und Geld, kann aber auch stattliche Gewinne abwerfen. manager magazin hat Experten und Sammler befragt und sagt, warum immer mehr uhrenbegeisterte Männer ihr exklusives Hobby als Investition mit Renditechance begreifen.

Im November des vergangenen Jahres wäre der Hedgefondsmanager Florian Homm (47) fast gestorben. Weil er seine Armbanduhr nicht hergeben wollte.

Wertanlagen am Arm: Für Männer ist die Uhr häufig das einzige Schmuckstück, das gesellschaftlich erlaubt ist
Michael Salow
Wertanlagen am Arm: Für Männer ist die Uhr häufig das einzige Schmuckstück, das gesellschaftlich erlaubt ist
Auf der Fahrt zum Flughafen von Venezuelas Hauptstadt Caracas gerät der Finanzalchimist und Großaktionär von Borussia Dortmund in einen Stau. Zwei Motorradfahrer stoppen neben der schwarzen Hotellimousine. Plötzlich richten sie Waffen auf Homm. Der Rolex-Träger gibt den Straßenräubern Bargeld, die Kreditkarte, auch sein Handy. Doch sie wollen noch mehr, deuten auf seinen Arm. Als Homm sich weigert, auch noch seine Uhr herauszugeben, eröffnen die Banditen sofort das Feuer. Die Kugel zerfetzt Homms Milz, verfehlt sein Herz nur um Zentimeter. Eine Notoperation rettet ihm das Leben.

Ein Mann und seine Uhr. Oftmals eine ganz besondere Kombination. Im Fall von Homm ein Schmuckstück, für das er sogar sein Leben riskiert.

Auf gesellschaftlichem Parkett ist es das einzige Schmuckstück, das Männern erlaubt ist. Die Möglichkeit, einen Teil seiner Persönlichkeit offen zur Schau zu tragen. Telekom-Chef René Obermann zum Beispiel leistet sich eine "Lange 1" von Lange & Söhne im Wert von rund 30.000 Euro. Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner trägt unter anderen eine Blancpain "Flyback" für rund 9000 Euro.

Männer mögen teure Uhren, auch wenn sie an jedem Handy die Zeit ablesen können - so viel Unvernunft lässt sich noch verstehen. Warum aber sammeln viele von ihnen Dutzende von Uhren und bewahren sie in Tresoren und Spezialschränken auf, die allein so teuer sind wie ein Sportwagen?

"Uhren zu sammeln ist eine Männerleidenschaft, weil wertvolle Uhren sehr mechanisch, sehr logisch aufgebaut sind", sagt der Hamburger Uhrmacher Andreas Hentschel (42). Außen verziert mit edlen Materialien wie Gold und Platin, im Inneren angetrieben von Wunderwerken der Feinmechanik - allein zum Tragen oft viel zu schade. Zum Grübeln über die Bedeutung von Zeit und das eigene Geschäft dagegen bestens geeignet.

So mag etwa mancher Manager beim Blick auf die Grande Complication einer "Caliber 89" von Patek Philippe (Preis über zwei Millionen Euro) an die schwierig umzusetzenden Merger-Pläne seines Vorstandschefs erinnert werden. Der Unterschied zu manch fusioniertem Unternehmen ist: Die Uhr funktioniert.

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