Dienstag, 17. Juli 2018

Swatch-Gründer Hayek Magie der Mechanik

Zur Swatch Group gehören 18 Uhrenmarken, darunter die Edelmarken Blancpain, Breguet und Omega. Der Umsatz kletterte vergangenes Jahr auf mehr als fünf Milliarden Schweizer Franken. Swatch-Gründer Nicolas G. Hayek spricht im Interview über die Uhr als Seelentröster, den Kampf mit Rolex und den Ärger mit chinesischen Raubkopien.

mm: Herr Hayek, in der Öffentlichkeit sieht man Sie stets mit mehreren Uhren an den Handgelenken. Welche Modelle trägt der Verwaltungsratschef der Swatch Group am liebsten?

Hayek: Ich besitze eine emotionale Bindung zu Uhren, betrachte sie nicht allein als Messinstrumente, sondern hauptsächlich auch als Schmuckstücke und Kunstwerke, wie übrigens neuerdings viele Menschen. Auf alle Fälle trage ich immer eine Swatch - und zwar die erste, die 1983 vom Band lief. Ein New Yorker Museum bot mir schon 250.000 Dollar, aber sie ist unverkäuflich. Die zweite Uhr, die ich immer bei mir habe, ist eine Omega aus Titan mit Gold. Eine Spezialanfertigung für mich.

mm: Aber immer noch zu wenig für Ihren Geschmack?

Hayek: Auch eine meiner Lieblingsuhren, eine Breguet mit Tourbillon, darf nicht fehlen. Wenn ich mal verzweifelt bin über das, was so alles auf unserer Welt passiert, schließe ich mich im Büro ein, höre mir ein Klavierkonzert an und betrachte die von Hand gefertigte Mechanik dieser Uhr. Dann glaube ich wieder an das Gute und Schöne in dieser Welt.

mm: Die Swatch Group ist ein eigenwilliges Geschöpf. Wie passen die bunten, billigen Swatch-Zeitmesser zu den Edelmarken Blancpain, Breguet und Omega?

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Hayek: Die passen sehr gut zusammen. Sowohl Swatch als auch die Edelmarken sind Kunstwerke. Ebenso wie Pop und Klassik zusammenpassen: Andy Warhol hat einmal eine Swatch kreiert, und eine Breguet ist wie ein Leonardo da Vinci. Ohne die Marke Swatch wären wir nicht die Könige der Uhrenindustrie. Über die Jahre haben wir durchschnittlich 15 bis 20 Millionen Swatch-Uhren im Jahr produziert. Sie geben uns immer noch das Volumen, das notwendig ist, um unsere 156 Fabriken und Fertigungsstätten auszulasten, wo auch Uhrwerkteile hergestellt werden, auf die fast alle Uhrenmacher heute angewiesen sind.

Dies hat uns auch entscheidend dabei geholfen, das enorme Know-how der Schweizer Uhrenindustrie zu sichern und zu erhalten. Außerdem: Selbst wenn wir die Swatch-Produktion, wie einige Analysten einmal vorgeschlagen haben, einstellen würden, hätte das keinen positiven Einfluss auf die anderen Marken unseres Hauses - nicht eine Uhr mehr würden wir deswegen verkaufen. Im Gegenteil, durch den Ausfall der Swatch-Gewinne würden eher weniger Gewinne für den Gesamtkonzern generiert und die Fixkosten erhöht.

© manager magazin 6/2007
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