Dienstag, 27. Juni 2017

Interview "Erfundene Geschichten"

Staranwalt Prinz sagt, warum er Medien häufig verklagt - und dennoch ein Freund der Presse ist.

mm: Herr Prinz, wie groß ist die Gefahr, dass Sie nach dem Erscheinen dieses Interviews juristische Schritte gegen manager magazin einleiten?

Matthias Prinz, Rechtsanwalt mit Sitz in Hamburg und Berlin, ist Deutschlands bekanntester Medienjurist. Er vertritt Stars und Königshäuser, vor allem aber Klienten aus der Wirtschaft.
Prinz: Wenn Sie meine Worte wahrheitsgemäß wiedergeben, werde ich mich nicht zur Wehr setzen.

mm: So sicher sind wir uns da nicht. Sie sind doch bekannt dafür, dass Sie Redaktionen mit Unterlassungs- und Gegendarstellungsbegehren überschwemmen - selbst wenn es nur um Nichtigkeiten geht.

Prinz: Ich bin ein großer Freund des kritischen, investigativen Journalismus. Wenn bei der Recherche eine wahre Geschichte herauskommt, die einen Wert hat, gehe ich nicht dagegen vor. Anders ist das bei unwahren, teilweise erfundenen Geschichten. Oder wenn Geschichten im Interesse Dritter lanciert werden und einen Mandanten schädigen.

mm: Nach dem deutschen Presserecht können Sie jedes Medium dazu zwingen, eine Gegendarstellung abzudrucken, unabhängig davon, ob eine Geschichte wahr ist oder nicht.

Prinz: Stimmt. Das ist der Grundsatz der Waffengleichheit. Die Medien können die Geschichte schreiben, ohne die Wahrheit beweisen zu müssen. Die Betroffenen können eine Gegendarstellung erzwingen, ebenfalls ohne die Wahrheit beweisen zu müssen. Die Medien können dann einen sogenannten Redaktionsschwanz anhängen, in dem sie schreiben, was an der Gegendarstellung nicht stimmt.

Das kann ich nur verhindern, wenn ich eine Unterlassungsverfügung durchsetze. Und dafür muss ich einem Gericht die Darstellung meines Mandanten glaubhaft machen.

mm: Ob Redaktionsschwanz oder nicht - jede Gegendarstellung zehrt an der Glaubwürdigkeit der Presse.

Prinz: Das kann man auch anders sehen. Ich glaube, meine Zunft hat mehr für die Pressefreiheit getan als viele Verlagsmanager.

Nachrichtenticker

© manager magazin 6/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH