Samstag, 24. Juni 2017

Günther Jauch Das Prinzip Jauch

Der Typ scheint völlig normal. Frau, Kinder, Abendbrot. Aber er ist Multimillionär. Der beliebteste Deutsche. Jeder Dritte wünscht ihn sich in der Politik. Alle kennen ihn. Aber kaum einer weiß, wie seine Erfolgsmaschine funktioniert. manager magazin erklärt, was jeder Manager von Günther Jauch lernen kann.

1. Der Herr der Signale

Jauch ist Meister des Zwischentons. Seine Autorität erwächst nicht aus großen Gesten, sondern aus minimalen Zeichen. Je leiser er spricht, desto aufmerksamer hören die Menschen zu. Am Ende lachen alle.

Der nette Sadist von nebenan: Jauch hilft den Hilflosen und bremst die Überheblichen
Als Jauch im Frühjahr 1999 den 158-seitigen Vertrag der britischen Produktionsfirma Celador in den Händen hielt, war klar: Das Korsett ist eng. Es würde kaum Chancen zum Solo für den Moderator geben.

Quizshows sind lukrative Produkte. Sie werden heute als Marken und nicht mehr als bloße Spielidee verkauft. Der Moderator ist ein Detail, das genauso festgelegt ist wie Studiodesign, Licht, Musik und Kameraführung. Seine Beiträge sind weltweit standardisiert.

Es gibt kaum Spielraum, aber Jauch nutzt ihn virtuos: eine gelüpfte Braue, der Anflug eines Grinsens, Kunstpause, Nachfrage, Augenschließen, aber auch Zuhören und sich kleinste Details einfach nur für später merken.

Mit derlei kleinen Signalen ist es Jauch gelungen, was nur wenige vor ihm geschafft haben: Er hat einem Standardprodukt ein Gesicht gegeben - sein Gesicht. "Wer wird Millionär?" ist die Jauch-Show. Weil sie echt ist. Echt Jauch. Und daher kommt es seit Jahren zu televisionären Highlights wie diesem:

Das neue manager magazin

Titel
Die Jagd auf Wiedeking
Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Jauch: "Wer beherrschte im 16. Jahrhundert große Teile Mexikos? Waren es a) die Azoren, b) die Azubis, c) die Azteken oder d) die Azzuris?"

Kandidat: "Die Azoren."

Jauch: "Sind Sie wirklich sicher?"

Kandidat: "Die Azubis können es ja nicht sein. Aber vielleicht die Azteken? Oder die Azzuris? (...) Ich möchte den Telefonjoker."

Jauch: "Egal, wen Sie anrufen, er wird es Ihnen sagen!"

Der Helfer am Telefon: "Also, ich schwanke da zwischen den Azteken und den Azoren."

Zwei kurze Sätze, und das Land ist unterhalten. Kinder und Professoren, Rentner und Einwanderer schauen Jauch zu: Deutschland eben. "Wer wird Millionär?" ist einer der größten Hits des deutschen Fernsehens. Er weiß, dass Millionen draußen toben und lachen, pöbeln und besserwisserisch sind. Und er bietet ihnen die Gelegenheit. Mit arglosem Blick bringt er Kandidaten zur Strecke oder hebt sie listig auf den Thron.

Jauch, der nette Sadist von nebenan, hilft den Hilflosen und bremst die Überheblichen. Er verführt und manipuliert. Am Ende lachen alle, und Jauch lacht mit.

Nachrichtenticker

© manager magazin 5/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH