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29. Mai 2007, 08:59 Uhr

Tommy Hilfiger

Der Champion

Von Klaus Boldt

Der weltbekannte Modeschöpfer Tommy Hilfiger feierte ein gelungenes Comeback - und das in nur acht Minuten. Eine Tuchfühlung in New York.

Der in der ganzen Welt berühmte Modemacher Thomas Jacob Hilfiger hat eine verwöhnte und reizbare, allerdings nicht immer erfolgreiche Art, seine innere Diva zu bekämpfen.

Tommy Hilfiger: So ein Modezar weiß, was ein richtiges Siegerlächeln ist
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Tommy Hilfiger: So ein Modezar weiß, was ein richtiges Siegerlächeln ist

Denn er ist, wie man sich leicht vorstellen kann, mit einer deutlich erhöhten, ja fast stürmisch brausenden Empfindungskraft begabt, und er befindet sich wie jeder "Künstler und Markenmacher", als welchen er sich betrachtet, in einem fortgesetzten, aufregenden Schaffensprozess. Immer will irgendetwas aus Tommy Hilfiger hinaus, das gerade in ihm steckt: ein neuer Schnitt, ein neues Muster und, mein Gott, ein neuer Stil!

Axl Rose, der in der ganzen Welt berühmte Sänger der Rockband Guns 'N Roses, bekam im vergangenen Mai einen Eindruck von Hilfigers facettenreichem Wesen, als der ihm auf einer Geburtstagsparty im New Yorker Nachtklub "The Plumm" zwei Treffer applizierte, die unter Kennern des Boxsports als steife Gerade in hohem Ansehen stehen.

Hilfiger glaubte, einen guten Grund für seine Maßnahme gehabt zu haben: Rose hatte gewagt, das Glas von Hilfigers schönbeiniger, geradezu herrlich anzuschauender Freundin Dee Ocleppo zu verschieben - angeblich, damit nichts verschüttet würde - und sich dann, womöglich aus einer kleinen Rockstarallüre heraus oder einfach aus Daffke, geweigert, es wieder zurückzuschieben (woraufhin Hilfiger sozusagen alle Knöpfe aufgingen).

Die Szene hatte Zulauf von allen Seiten. Kid Rock und Mickey Rourke und Lenny Kravitz und andere Gäste nahmen die Geschehnisse betrübt oder begeistert zur Kenntnis, je nachdem, wem ihre Sympathien gehörten.

Doch nachdem sich Hilfiger von seinen eigenen Leibwächtern in Sicherheit hatte bringen und abführen lassen, war sich jedermann darüber im Klaren, einem außerordentlichen Ereignis beigewohnt zu haben. Tatsächlich betrachteten die örtlichen Revolverblätter das Ereignis mit Hingabe: Die "Post" schwelgte davon auf der Hälfte ihrer Titelseite.

Nun ist es so, dass ein 55-jähriger, noch dazu eher klein geratener, vor allem aber unbewaffneter Modezar, ein schmales Bürschchen wie Hilfiger also, mit bloßen Händen keinen großen Schaden anrichten kann. Und so blieb auch Axl Rose eigentlich recht unverletzt.

Im Gegenteil, die Umstehenden dankten Rose, der im Übrigen auch nur 1,74 misst und damit ungefähr ebenso klein ist wie sein Kontrahent, dass er nicht ernstlich zurückgeschlagen oder angefangen hatte, Stühle zu zertrümmern, wie es die Etikette in seinen Kreisen normalerweise für solche Anlässe vorsieht.

Eine Säule des Fortschritts

Und alles war sowieso geritzt, als Rose während seines Geburtstagsständchens das Lied "You're crazy" ausdrücklich seinem "guten Freund Tommy Hilfiger" widmete.

Vorbildlich: So regelt man Meinungsverschiedenheiten unter Erwachsenen - ein kurzer Gedankenaustausch, und schon ist alles wieder in bester Ordnung
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Hilfigers Verhalten bietet zu mancherlei Deutungen Anlass, wobei der Irrsinn als auslösender Faktor aber wohl ausscheidet. Man erzählt sich, dass das Foul entweder auf Hilfigers Temperament zurückgeht, das ein explosives Gemisch ist, oder auf seinen Wunsch, der Mit- und Modewelt zu beweisen, dass er noch Mumm in den Knochen hat, aber wahrscheinlich auf beides.

Jetzt sitzt er auf einem kleinen Sofa, das mitten in einem weiß getünchten, von gleißendem Sonnenlicht erfüllten Loft in Chelsea steht, und der Blick geht über den mächtigen Hudson hinweg nach New Jersey.

Tommy Hilfiger legt den Arm über die Rückenlehne, setzt als höfliche Formalität ein freundliches Gesicht auf und schlägt die Beine so behutsam übereinander, als sei er aus Blätterteig.

Sein Chauffeur hat ihn heute, wie jeden Morgen, von zu Hause im Feine-Leute-Vorort Greenwich, Connecticut, in die Stadt gefahren. "Dauert nur eine Stunde", sagt er mit einem sonderbaren, missbilligenden Lächeln und ist für einen Moment ganz der listenreiche Mode- und Marketingmann mit der freundlichen Dienstleistermiene, der er in Wirklichkeit gar nicht ist. Denn in Wahrheit ist Tommy Hilfiger ein Romantiker, ein Popstar, eine Säule des Fortschritts und der Lässigkeit.

Neun Monate liegt die Kneipenkeilerei zurück. Hilfiger, der sich nicht ungern an den siegreichen Kampf zu erinnern scheint, plädiert inzwischen auf Notwehr: "Ich habe ihn geschlagen, weil er mich schlagen wollte."

Dann lässt er die Worte durch den in der Sonne tanzenden Staub davonsegeln und schickt ihnen nach ungefähr drei Sekunden ein Lachen hinterher ("Ähä").

Mitleiderregend unterkandidelt

Es war ein Jetzt-ist-es-aber-auch-gut-Lacher, überhaupt war es sein letzter Lacher für die nächste halbe Stunde.

Axel Rose: Der Sänger der Band Guns 'n Roses hatte gewagt, das Glas von Hilfigers schönbeiniger, geradezu herrlich anzuschauender Freundin zu verschieben
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Axel Rose: Der Sänger der Band Guns 'n Roses hatte gewagt, das Glas von Hilfigers schönbeiniger, geradezu herrlich anzuschauender Freundin zu verschieben

Hilfiger ist ein moderner Mann und schlicht gekleidet: "Meine Marke. Ganz einfach. Jeans und Sweatshirt." So sieht er praktisch immer aus: fast mitleiderregend unterkandidelt. Es sind die Requisiten der Vorstellung, die er gibt.

Charismatechnisch stellt Hilfiger einen beliebten Archetypus dar: den des unprätentiösen Modeschöpfers und Freund der Rockstars Tommy Hilfiger.

Seine Haare sind glatt und fein und von einem seltenen, weiß durchwirkten Hellbraun und seine Sätze so kurz wie die von Lagerfeld. Was eine Folge der ständigen Eile zu sein scheint, in der man sich als Modemann befindet: Denn die Moden wechseln schnell.

20 Interviews muss Tommy heute geben, irgendjemand hat dies veranlasst, und dieses ist sein erstes, und Lust hat er auf gar keines. Er kann schließlich nicht alles gleichzeitig machen: aufpassen und magnetisch wirken und zuhören und geile Antworten geben.

Tommy Hilfiger waltet seines Amtes als künstlerischer Direktor des Hauses, das seinen Namen trägt, und wirkt ein bisschen fahrig. Nicht sehr fahrig, aber ein bisschen fahrig doch. Was allerdings kein schlechtes Zeichen sein muss: Unter Modemachern gilt fahrige Hochnäsigkeit als Ingredienz der Lebensfreude.

für mm 04/07 Seite 190 Nach eineinhalbjähriger Pause, in der seine im Abschwung begriffene Firma vom Finanzinvestor Apax übernommen und ihre Zentrale nach Amsterdam verlegt worden war, kehrt Hilfiger mit einer "modern-klassischen" Herbstkollektion vors heimische Publikum zurück. Und zwar morgen, am Freitagnachmittag um fünf. Also in genau 30 Stunden.

It-Girls und hübsche Knaben

Seine Modenschau, die im "Hammerstein Ballroom" steigen wird, einem alten Musicalpalast in der 34. Straße, schließt die Fashion Week ab. Das ist eine ernste Angelegenheit: Hilfiger ist zwar immer noch ein Großer, aber er ist nicht mehr der ganz Große von früher.

Unbekannte Schönheiten: Die Models von Tommy Hilfiger sind immer erst morgen berühmt
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Unbekannte Schönheiten: Die Models von Tommy Hilfiger sind immer erst morgen berühmt

Er arbeitet an so einer Art Comeback. Und heute ist die Endabnahme, heute hat er eigentlich keine Zeit. Erst recht nicht für 20 Interviews.

Seine Leute haben das Studio Nummer 5 der Hudson Studios angemietet im zwölften Stock des Starret-Lehigh-Buildings, eines roten Backsteinriesen aus den 30er Jahren. "Wir machen hier das Set-up vor der Show", sagt der Meister.

Hübsche, große Mädchen mit hübschen, großen Reisetaschen und hübschen, großen Augen treffen nach und nach ein und flitzen wie Motten herum: Jessica, Anja, Grieta, Hye, Bruna, Hilary, Agyness, Morgane, Solange, Leah, Magdalena, Emanuela. "Die It-Girls", sagt Hilfiger, ohne hinzuschielen, aber so zufrieden wie ein Bauherr beim Richtfest. It-Girls sind solche Models, die immer erst morgen berühmt sind.

Auch hübsche Knaben scharwenzeln umher: Scott und Tyrone und Garret und Parker und Owen und Philip und Boyd und Jeremy und Danny. Selbstgefällig wie Eichelhäher, die sich das Gefieder putzen.

Heute werden die Kleider, Röcke, Pullover, Hüte, Schuhe, Mützen, Taschen, Gürtel, Hosen, Smokings, Mäntel angepasst, anprobiert, aufgesetzt, dann nummeriert, kombiniert und fotografiert. Morgen darf nichts durcheinanderkommen. Morgen muss alles sitzen.

Schneiderinnen, die aussehen, als seien sie eben erst aus Bulgarien eingewandert, fädeln an ihren Nähmaschinen; eine Büglerin kehrt allem ihren gebeugten Rücken zu. Kleiderständer aus Aluminium säumen die Wände, dreibeinige Scheinwerfer glotzen wie Giraffen neben Blitzgeräten, auf einem Tisch in der Mitte stehen Thermoskannen mit Kaffee, ein Karton mit Donuts, eine Karaffe Orangensaft, einige Diet Cokes. Was man so braucht als Modemensch. Auf den Stellwänden sind die Fotos der Models angenadelt.

"Spirited All-American Style"

Und dann ist da noch Abdel El Hamri, Hilfigers PR-Adlatus, ein bis zur Verzückung entspannter, bronzefarbener Mann, der so lautlos operiert wie ein Indianer.

Überhaupt trägt die Szenerie das Gepräge erwartungsvollen Beisammenseins. Hilfigers Augen blicken mit müder Überheblichkeit auf die Schönheit seiner Existenz hinab und auf die ausschweifende, befremdende Tätigkeit, die sie erfüllt.

Er hat den "Spirited All-American Style" erfunden und ist zu einem Kultbild des Modegeschäfts, ja: der US-Wirtschaft insgesamt geworden mit seinem Signalwappen-Logo und dem ganzen blau-weiß-roten Amerika-Krimskrams, den er repräsentiert wie Coca-Cola oder Marlboro.

Er ist steinreich, hat Häuser auf Mustique in der Karibik, auf Nantucket vor Neuenglands Küste, in den Bergen von Vermont, reist auch ins delikate St. Tropez. Er ist geschieden von Susie, hat vier Kinder und ist so glücklich wie alle, denen es egal ist, was man über sie denkt und die über eine steife Gerade verfügen.

Er ist einen weiten Weg gekommen. Doch irgendwann blieb er stehen: Es ging nicht weiter. Es gab einmal sogar die Sorge, ob Tommy Hilfiger nicht unmodern geworden sei.

Nun war diese Sorge unbegründet. Ja, die führende Fachpresse rezensierte seine jüngsten Kollektionen mit großer Zuvorkommenheit und Ehrerbietung. Doch die Erinnerung an die überwundene Krise wirkt nach.

Hilfiger kommt aus einem bescheidenen Haus in einer kleinen Stadt namens Elmira in Upstate New York, vier Autostunden westlich von Manhattan. Sein Vater war Uhrmacher, seine Mutter Krankenschwester. Er ist das zweitälteste von neun Kindern.

"Ralph Lauren ist Mercedes"

Was macht ein amerikanischer Kleinstadtbursche Ende der 60er Jahre? Er lässt sich die Haare wachsen, fährt nach New York, gerät in die Flower-Power-Szene und will nicht werden, was sein Alter ist.

für mm 04/07 Seite 192 Er kehrt zurück mit der sicheren Überzeugung, dass Elmira modisch rückständig sei, und eröffnet 1969, 18 Jahre alt, mit zwei Freunden und jeweils 150 Dollar Startkapital die Boutique "People's Place". Hier verkauft er erste eigene Kreationen. "Das war Underground", sagt Hilfiger, der es offenbar ganz reizvoll findet, früher einmal Underground gewesen zu sein.

1979 zog er nach New York, wo ihm fünf Jahre später mit der Marke Tommy Hilfiger der Durchbruch gelang. 1990 machte er 25 Millionen Dollar Umsatz, 1991 ging er an die Börse. "Mein Timing war perfekt", sagt Hilfiger. Er lieferte lockere Freizeitmode an eine lockere Freizeitgesellschaft. Bediente dieselbe Klientel wie Calvin Klein: weißen Durchschnitt zwischen 20 und 40.

Die Epoche, die als die große, die glückliche seines Lebens bezeichnet werden kann, begann mit einem Zufall Anfang der 90er Jahre: Der Rapper Snoop Dogg hatte bei einem Auftritt in der TV-Show "Saturday Night Life" ein T-Shirt mit dem großen, blau-weiß-roten Tommy-Hilfiger-Logo getragen. Der Effekt glich einer nationalen Kundgebung: Das Publikum in seinen volkstümlichen Elementen gab sich der Marke umgehend und enthusiastisch hin.

Vorbild: Der Rapper Snoop Dog trug ein T-Shirt von Hilfiger und löste damit einen ersten Run auf die Marke aus
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Vorbild: Der Rapper Snoop Dog trug ein T-Shirt von Hilfiger und löste damit einen ersten Run auf die Marke aus

Heute betrachtet sich Hilfiger als moderneren, besseren Ralph Lauren: "Wir sind jünger und frischer. Er ist Mercedes, ich bin BMW." Aber damals war er der Couturier de l'Hip-Hop.

Als Pater triumphans des Trends bot er spektakuläre Einlagen, etwa mit dem "urban cool style" und der "baggy-streetwear", die sackartige Klamotten mit überdimensionierten T-Shirts und Jeans kombinierte, die ihren Trägern fast um die Knie schlotterten.

Hilfiger wirtschaftete mit rasender Umsicht und machte Geschäfte aller Art. Er belebte den College-Stil der 60er Jahre wieder, warf Outdoor-Kleidung auf den Markt, das Parfüm "Tommy". Er konnte die Wolle auf den Schafen wachsen hören, was Trends betraf. Mitte der 90er Jahre strahlte er so hell wie eine Straßenlaterne auf einer Waldlichtung.

"Zu schnell zu groß geworden"

Im Jahr 2000 erreichte die Firma mit 1,9 Milliarden Dollar den Scheitelpunkt ihres Umsatzes. Doch die tollen 90er hatten auch Anlass gegeben zu allgemeiner Sorglosigkeit. Die Geschäfte begannen zu stottern. Eine Inspektion ergab, dass das einstige Kultlabel an seinem eigenen Erfolg zu ersticken drohte: Es war zu einem Massenprodukt geworden.

für mm 04/07 Seite 194 Nicht genug damit, spielte nun auch noch das Schicksal seine kichernden Spielchen mit Hilfiger: Der amerikanische Bekleidungsmarkt kam kaum mehr voran; viele der großen Kaufhäuser und Handelsketten, die Hilfiger flächendeckend angeboten hatten, schlossen, fusionierten oder führten ihre eigenen beziehungsweise exklusive Label ein.

Der Irak-Krieg ließ die Nachfrage nach Hilfiger-Zeug vor allem in Europa teilweise einbrechen; freche Neulinge wie Rocawear und Abercrombie & Fitch vergällten die Spiellaune.

Es gab Ärger mit der Börsenaufsicht, Verleumdungen wegen angeblicher rassistischer Äußerungen Hilfigers. Es war eine bunte Abfolge von Haken und Schlägen.

Sein Management wechselte wiederholt den Kurs, konnte eine sichere Positionierung aber nirgendwo finden, Hilfiger selbst nicht an seine guten Leistungen der Vergangenheit anknüpfen.

Die Hilfiger Corporation offenbarte Zeichen des Verfalls. Der Glanz war fort, die Marke Tommy Hilfiger so stumpf wie gelbe Seife. "Wir hatten eine schwierige Zeit. Sind zu schnell zu groß geworden", sagt Hilfiger. Die Firma, in den USA von schwarzen Zahlen weitgehend entblößt, wurde zum Verkauf gestellt.

Kurz vor Weihnachten 2005 übernahm Apax, unterstützt vom Hilfiger-Management, jene Firma, an der ihr Gründer nur noch 4 Prozent der Anteile hielt, für 1,6 Milliarden Dollar.

Mehr Freiheit für Kreativität

Es besteht kein Zweifel daran, dass Apax seinen Schnitt machen wird: Die Übernahme ist zu zwei Dritteln kreditfinanziert. Die wachsenden Einnahmen in Europa und Asien sollten ausreichen, die Schulden zu tilgen und das Modehaus in ein paar Jahren mit ordentlichem Gewinn weiterzuverkaufen.

Modern und schlicht: Auch Tommy Hilfiger präsentiert sich in seiner Mode
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Modern und schlicht: Auch Tommy Hilfiger präsentiert sich in seiner Mode

Hilfiger, der "einen wesentlichen Anteil" hält, zeigt spürbar erhöhte Lebensfreude. Und mit jenem Ton tiefen Sentiments, wie man ihn von entlassenen Sträflingen kennt, sagt er: "Wir waren vorher an der NYSE notiert. Jetzt haben wir mehr Freiheiten, um kreativer zu sein." Vor allem muss die Marke, die ihre besten Geschäfte in Europa macht, auf ihrem Heimmarkt Fahrt aufnehmen.

52 Kreationen führte er tags darauf im "Hammerstein Ballroom" vor. Es saßen nicht mehr die Stars wie Beyoncé in der ersten Reihe , und auch die Olsen-Zwillinge und Hugh Grant hielten sich von seiner After-Party im Bungalow 8 fern.

Aber Hilfiger zeigte eine starke Leistung und seinen Landsleuten, dass er raffinierter, edler, ja ein größerer Couturier ist, als sie es für möglich gehalten oder erinnert hatten: Flanell und Tweed waren zu sehen. Tartan, Fischgrätmuster, Smokings. Der "urban cool style" sah plötzlich sehr dunkel, sehr britisch, sehr erwachsen aus. Die Show dauerte acht Minuten. Mehr waren nicht nötig.

Was die Zukunft angeht, so wolle er, Thomas Jacob Hilfiger, seinen Aktionsradius schon im kommenden Jahr auf die Gestaltung "von Möbeln und Hotels" ausdehnen, und zwar auf eine Weise, die er nur als "leidenschaftlich, innovativ, demütig" bezeichnen könne, was immer dies heißen mag.

Bevor er sich vom Sofa erhebt und mit Abdel El Hamri in dem hellen Loft-Licht so leise verschwindet, als bewege er sich auf Katzenpfötchen, sagt er auch noch, dass er den Krieg hasse. Und "wenn ich einen Wunsch hätte, bevor ich stürbe, dann diesen: Ich will Frieden auf der Welt". Axl Rose wird froh sein, dies zu hören.

Probleme ausgebügelt

Probleme ausgebügelt: Die neue Führung zeigt eine durchdachte Strategie

Vorher: Nach zuletzt krisenhaften Jahren befindet sich die 2005 von der Beteiligungsfirma Apax übernommene Tommy Hilfiger Corporation (Umsatz 1,78 Milliarden Dollar) wieder auf dem Weg der Genesung.

Duett: Firmenchef Fred Gehring (r.) kümmert sich ums Konto, Hilfiger um die Kultur
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Duett: Firmenchef Fred Gehring (r.) kümmert sich ums Konto, Hilfiger um die Kultur

Die 1984 vom heutigen Creative Director Tommy Hilfiger gegründete Marke war vor allem auf ihrem Heimmarkt in Schwierigkeiten geraten, der immer noch unter schweren konjunkturellen Mangelerscheinungen leidet. Im Zuge des Irak-Krieges entwickelten sich auch in Europa die Geschäfte des Modehauses, das mit seinem blau-weiß-roten Logo als uramerikanisch gilt, alles andere als vorteilhaft.

Nachher: Die Rettung der amerikanischen Trend-Ikone nahm paradoxerweise in Europa ihren Ausgang, wo unter dem Sanitätsdienst des früheren Ralph-Lauren-Managers Fred Gehring erstklassige Arbeit geleistet wurde.

Der Holländer, seit 2006 auch Chief Executive Officer, passte Marketing und Vertrieb, Stoffe und Schnitte den europäischen Vorlieben und Verhältnissen an. Heute erwirtschaftet Hilfiger nur noch 51 Prozent seines Umsatzes in den USA, 37 Prozent aber in Europa, wo die Firma, anders als auf ihrem Heimmarkt, als recht teure Marke gilt und noch dazu in den Genuss von bis zu doppelt so hohen Handelsmargen kommt.

"Europa ist wichtig", sagt Tommy Hilfiger, "aber immer mehr auch Ostasien. Zu unseren Wachstumstreibern gehören Accessoires, Parfüms und Reisegepäck".


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