Mittwoch, 12. Dezember 2018

Anwälte Spiel mir das Lied vom Geld

2. Teil: Ein unvorteilhaftes Urteil

Weil das Finanzamt den Anlegern 6000 Euro mehr ausgezahlt hatte, als sie investiert hatten, wäre der Ausstieg für den Theologieprofessor und seine Frau zum Verlustgeschäft geworden - dabei sind die paar tausend Euro Gerichtskosten, auf denen die Klägerin letztlich sitzen blieb, noch nicht einmal eingerechnet.

für mm 04/07 Seite 176 Jens Graf, Graf Rechtsanwälte Gewiss, der Fall ist außergewöhnlich. Dass Anlegeranwälte erst unvorteilhafte Urteile in Erfolge umdeuten, anschließend mit kaum erfüllbaren Versprechen auf Mandantenfang gehen und die Geschädigten am Ende in teure und sinnlose Prozesse treiben, ist sicher nicht die Regel.

Klar ist aber auch, dass längst nicht alle Advokaten ausschließlich im Interesse ihrer Mandanten unterwegs sind. Einigen scheint das betriebswirtschaftliche Ergebnis ihrer Kanzlei näher zu liegen als der juristische Erfolg ihrer Klientel.

Kunden gibt es genug. Denn jedes Jahr büßen Anleger mit dubiosen Steuersparmodellen, windigen Aktiendeals und hoch riskanten Termingeschäften Beträge im zweistelligen Milliardenbereich ein.

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Doch eine Prozessflut wie derzeit - allein gegen die Telekom sind mehrere hundert Aktionärsklagen anhängig - würde es wohl kaum geben, wenn die Zahl der Anlegeranwälte in den vergangenen Jahren nicht explodiert wäre.

Gab es bis Ende der 90er Jahre nur eine Handvoll spezialisierter Kanzleien, werben heute mehrere Dutzend Anwaltsfirmen mit ihren Diensten. Der Grund: Das Kapitalanlagerecht ist inzwischen deutlich lukrativer als etwa das Miet- oder Arbeitsrecht. Denn wegen der Vielzahl der Geschädigten geht es in den Prozessen schnell um hohe Streitwerte.

Und je höher der Streitwert, desto höher die Einnahmen der Advokaten. So kassiert ein Klägeranwalt laut Gebührenordnung bei einem Streitwert von 100.000 Euro allein in der ersten Instanz rund 4000 Euro. In vielen Fällen wird es deutlich teurer, weil ein Großteil der Kapitalmarktspezialisten sehr viel höhere Sätze mit seinen Klienten vereinbart.

© manager magazin 4/2007
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