Samstag, 25. Juni 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Coaching Die Untiefen der Coaching-Szene

Hohe Honorare für Psychotricks - dubiose Karriereberater richten viel Schaden an. Doch wie findet man den richtigen Coach? manager magazin hat die Untiefen der Szene ausgelotet.

Rico will auch mal gestreichelt werden. Der Grauwolf drängelt an Filou vorbei und stupst Tanja Askani fordernd die Schnauze in die Rippen. Ein Fehler. Blitzschnell ist Filou, der Alphawolf, über ihm und beißt den Rivalen weg. "Eine reine Erziehungsmaßnahme", ruft Askani fröhlich über das Jaulen und Knurren hinweg, "der hat keinen Kratzer."

  Falle 1: Abzocke      Unseriöse Coachs bleiben vage, wenn es um Honorare geht ("Über Geld spricht man doch nicht"), stellen angeblich kostenfreie Vorgespräche im Nachhinein in Rechnung oder drängen dem Klienten immer weitere Sitzungen auf: "Sie sind einfach noch nicht so weit."    Zum Bild: Für manager magazin stellen Schauspieler des Lübecker "Theaters Combinale" als "Coach" (l.) und "Manager" unseriöse Coachingpraktiken nach.
Enver Hirsch
Falle 1: Abzocke

Unseriöse Coachs bleiben vage, wenn es um Honorare geht ("Über Geld spricht man doch nicht"), stellen angeblich kostenfreie Vorgespräche im Nachhinein in Rechnung oder drängen dem Klienten immer weitere Sitzungen auf: "Sie sind einfach noch nicht so weit."

Zum Bild: Für manager magazin stellen Schauspieler des Lübecker "Theaters Combinale" als "Coach" (l.) und "Manager" unseriöse Coachingpraktiken nach.
Die Falknerin im Wildpark Lüneburger Heide hat das Rudel mit der Flasche großgezogen und balgt sich mit den 50 Kilo schweren Wölfen, als wären es ein paar Beagles. Es nieselt. Der Wind jagt graue Wolkenfetzen über den Himmel und sorgt für eine angemessen dramatische Kulisse, während Rico und Konsorten die langen Zähne fletschen.

Vor den dicken Stahlmaschen des Gehegezauns steht der Diplomingenieur Rainer Lessing und sagt, dass die Parallelen zum Menschen im Allgemeinen frappierend seien und zum Manager im Besonderen. Zum Beispiel das Wolfsheulen: "Es dient der Verteidigung oder dem Kampf um die Position im Rudel - wie bei uns das E-Mail-Schreiben."

Die Wölfe haben es Lessing angetan, und diese Faszination will er, für 950 Euro pro Person, weitergeben an die Teilnehmer des Wolfs-Workshops, darunter Führungskräfte der Lufthansa Börsen-Chart zeigen und des Heine-Versands. Lessing redet von "Führen mit lächelnder List", von "Heartleadership" und davon, dass der Omega-Wolf im Keller der Rudel-Hierarchie "eine ganz wichtige Funktion als Blitzableiter im Rudel hat". Es ist wie mentales Fingerfood: Überall mal kurz reindippen. Über allem heulen die Wölfe, "von deren sozialer Intelligenz wir viel lernen können".

Lessing arbeitet als Unternehmensberater und Executive Coach. Er bewegt sich auf einem Markt, der in Deutschland vor 20 Jahren im Topmanagement startete. Der klassische Coach fungiert dabei im Zweiergespräch als neutraler Berater und Sparringspartner für Führungskräfte und gibt Anleitungen zur Selbstreflexion. Mittlerweile ist Coaching auch im Mittelmanagement angekommen; die grassierende Sehnsucht nach Lebenshilfe und Ich-Engineering hat den Markt explodieren lassen.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 3/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH