Montag, 25. September 2017

Landwirtschaft Bauern-Bonanza

Der Trend zur Bioenergie macht's möglich: Mit Bauernhöfen lässt sich wieder richtig Geld verdienen. Profi-Investoren kaufen jetzt Agrarbetriebe.

Nein, wie ein Bauer sieht Bernhard Termühlen wirklich nicht aus. Das feingeschnittene Gesicht, der Nadelstreifenanzug, die goldenen Manschettenknöpfe: So wie Termühlen hier im Hamburger Hotel "Vier Jahreszeiten" sitzt, bei Assam-Tee und Petits Fours, könnte er auch aus einer der Privatbanken rund um die Binnenalster herübergeschlendert sein.

Getreidebaron Termühlen: Dem ehemaligen MLP-Chef (vorn, mit zwei seiner Geschäftsführer) gehören heute Tausende Hektar Ackerland
Jörk Fokuhl
Getreidebaron Termühlen: Dem ehemaligen MLP-Chef (vorn, mit zwei seiner Geschäftsführer) gehören heute Tausende Hektar Ackerland
Doch der Schein trügt. Termühlen, bis 2003 Vorstandschef des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP Börsen-Chart zeigen, ist heute einer der größten Landwirte der Republik. Wie eine Bernsteinkette ziehen sich die termühlenschen Güter an der Ostseeküste entlang, von Angeln über Mecklenburg und Vorpommern bis nach Polen hinein. Insgesamt gehören ihm mehrere tausend Hektar Ackerfläche, meist bebaut mit Raps oder Getreide.

"Warum investieren Sie ausgerechnet in Ackerland, Herr Termühlen?"

Die Andeutung eines Lächelns huscht über das Gesicht des 51-Jährigen. Diese Frage musste er schon oft beantworten. Termühlen nimmt noch einen Schluck Tee und sagt dann leise: "Fruchtbarer Boden wird schon bald zu den knappsten Ressourcen auf unserem Planeten gehören."

Das wäre zumindest mal etwas Neues. Jahrzehntelang konnte von Knappheit in der Landwirtschaft keine Rede sein. Überproduktion war die Regel. Die Preise kannten nur eine Richtung: abwärts! Mit durchschnittlich 41 Hektar sind die meisten familiengeführten deutschen Bauernhöfe viel zu klein, um sich rentabel bewirtschaften zu lassen. Ihr Überleben beruht allein auf Subventionen aus Brüssel und auf Selbstausbeutung der Besitzer: 16-Stunden-Tage, kaum Urlaub.

In solch eine trostlose Branche investierten in der Vergangenheit höchstens vermögende Städter, die sich den heimlichen Traum vom Leben als Gutsherr erfüllen wollten, am besten direkt vor den Toren Hamburgs oder Münchens und mit Range Rover vor dem Herrenhaus. Diese Lifestyle-Bauern holen meist so wenig Rendite aus ihrem Boden, dass sie sich regelmäßig mit dem Finanzamt herumstreiten müssen, ob es sich nicht eher um Liebhaberei handelt.

Doch tatsächlich, das trostlose Bild ist passé, die Landwirtschaft hat sich von einer sterbenden in eine Zukunftsbranche verwandelt. "Es herrscht Aufbruchstimmung", frohlockte zu Jahresbeginn Bauernverband-Präsident Gerd Sonnleitner, der die Lage des deutschen Nährstands sonst meist in düsteren Farben malte.

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