Dienstag, 17. Juli 2018

Wallenberg Schwedisches Modell

Scania, SEB & Co. - wie die stärkste skandinavische Unternehmerdynastie ihre Beteiligungen führt und verteidigt. Das einmalige Konglomerat und beispiellose Netzwerk der Wallenbergs.

Flughafen Zürich-Kloten am Abend des 5. Februar. Die Passagiere warten auf das Boarding für Flug SK 1606 nach Stockholm. Unter den Wartenden ist auch ein rund 50 Jahre alter Mann mittlerer Größe mit lockigem, leicht grauem Haar und einer gesunden Gesichtsfarbe.

Exzellenter Netzwerker: Jacob Wallenberg
Beim Einsteigen drehen die wenigen, die ihn kennen, verwundert die Köpfe. Der Mann wandert nach hinten durch und lässt sich in Reihe 16 der Economy Class nieder.

Der bescheidene Hinterbänkler ist Jacob Wallenberg (51), der einflussreichste Wirtschaftsführer Schwedens. Er ist Anführer des Wallenberg-Clans, dessen ungeschriebenes Motto seit 150 Jahren lautet: "Mehr Sein als Schein".

Über ihre Holding Investor AB Börsen-Chart zeigen dominieren die Wallenbergs zehn Weltkonzerne mit schwedischen Wurzeln. Ob ABB Börsen-Chart zeigen, AstraZeneca, Electrolux Börsen-Chart zeigen, Ericsson Börsen-Chart zeigen, Scania Börsen-Chart zeigen, SE Banken oder SKF Börsen-Chart zeigen - alle gehören schon seit vielen Jahrzehnten zum Einflussbereich der Wallenbergs. Keine Familiendynastie in der industrialisierten Welt beherrscht ein Land so wie die Wallenbergs ihr Schweden. Angreifer schlagen sie entschlossen zurück, wie MAN-Chef Håkan Samuelsson bei seinem gescheiterten Versuch, den Lastwagenhersteller Scania zu übernehmen, leidvoll erfahren hat.

Diese traditionellen Beteiligungen an Schwedens Topunternehmen sind der eine, der leidlich bekannte Besitz des Wallenberg-Imperiums. Die durchweg börsennotierten Konzerne machen rund 85 Prozent der Assets aus.

Die andere Seite ist eher unbekannt, weil relativ neu: Über EQT Partners sind die Wallenbergs in den vergangenen Jahren massiv in das Private-Equity-Business eingestiegen. Sie kaufen sich in kleine und mittelgroße Unternehmen quer durch alle Branchen ein.

Und dieses Geschäft soll zunehmen - vor allem auch in Deutschland. Ziel ist es, so Jacob Wallenberg, den Asset-Anteil der nicht börsennotierten Unternehmen mittelfristig auf 25 Prozent zu erhöhen.

© manager magazin 3/2007
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