Freitag, 14. Dezember 2018

Lidl Chaos-Kommando

6. Teil: Jede Menge Restanten

Vor allem schwindende Verkäufe sogenannter Non-Food-Ware schmälern die Erlöse. Wöchentliche Aktionsangebote wie Computer, Briefkästen oder Reitutensilien - ehemals Umsatzgaranten par excellence - liegen heute bleischwer in den Regalen. Lidl-Verantwortliche klagen insgeheim über die miese Qualität mancher Artikel.

Discounter an der Wachstumsgrenze: Die Umsätze pro Filiale stagnieren, die Probleme sind hausgemacht
Rang Unternehmen Umsatz/Filiale1 Herausforderungen
1 Aldi Süd 7,0 (7,0) Expansionsgrenze in Deutschland fast erreicht
2 Lidl 4,9 (4,9) Am stärksten vom Restantenproblem betroffen
3 Aldi Nord 4,2 (4,3) Agiert zu konservativ bei Filialkonzept und Sortiment
4 Netto 3,2 (3,1) Die Integration in den Edeka-Konzern steht noch bevor
5 Penny 3,1 (3,1) Großes Expansions- und Investitionsdefizit
6 Plus 2,4 (2,4) Trotz Restrukturierung kein echter Durchbruch am Markt
1 in Millionen Euro für Deutschland (Vergleichswert 2005). Quelle: Planet Retail, Roeb/FHBonn-Rhein-Sieg

Die Rückläufer im Gesamtwert von über 100 Millionen Euro verstopfen eigens angemietete Lager. Branchenkenner sprechen von teilweise chaotischen Zuständen. Unsortiert sollen sich die Restanten auf Paletten stapeln.

Mit dem Rückgang des Non-Food-Geschäfts haben auch Konkurrenten zu kämpfen, doch Lidl treffen die Umsatzprobleme besonders hart. Denn der Discounter ist zum Wachsen verdammt. Einsparpotenziale, etwa beim Personal, gibt es kaum. Entsprechend belasten Erlösrückgänge sofort das Ergebnis.

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Erschwerend kommt hinzu, dass die Schwaben anders als der weitgehend schuldenfreie Erzrivale Aldi mit hohen Kapitalkosten kämpfen. Lidl hat bei der Eilexpansion massiv auf Fremdfinanzierung gesetzt. Auf rund 15 Milliarden Euro soll sich der Schuldenstand bei den Banken belaufen. Um die fälligen Zinsen aufzubringen, braucht Lidl eine höhere Marge als Aldi.

Das schaffte Lidl bislang, indem die Einkäufer ihre Lieferanten in Grund und Boden verhandelten. "Die bei Lidl werden auf Unverschämtheit gedrillt", wettert ein Geschäftspartner aus der Industrie. Anders als bei Aldi könne man sich auf Vereinbarungen mit Lidl nicht verlassen. "Bei Bedarf wird alles nachverhandelt."

Der Nachteil bei den Kapitalkosten zwingt Lidl nicht nur zu Brutalität gegenüber Lieferanten. Er macht den Discounter auch extrem anfällig für steigende Zinsen. Derzeit liegt die Eigenkapitalquote zwischen 20 und 25 Prozent, allerdings mit leicht abnehmender Tendenz.

© manager magazin 2/2007
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