Freitag, 2. Dezember 2016

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Altersvorsorge Renten-Marathon

Hohe Sparleistung, niedrige Erträge - Deutschlands Finanzdienstleister machen zu wenig aus dem Geld ihrer Kunden. manager magazin zeigt, woran das liegt und wie Anleger sich aus der Klemme befreien können.

Der Traum eines deutschen Anlegers, der ordentlich für sein Alter vorsorgen will, könnte in etwa so aussehen: Er packt seine Ersparnisse in einen Koffer, steigt in den nächsten Flieger und versucht, bei einem der besten Vermögensverwalter der Welt zu landen.

Massenstart: Mit 30 beginnt das Rennen um die finanziell gesicherte Zukunft
Kristina Heldmann
Massenstart: Mit 30 beginnt das Rennen um die finanziell gesicherte Zukunft
Sein Traum führt ihn zum Boston Logan International Airport, er winkt sich ein Taxi heran und lässt sich ins Federal-Reserve-Gebäude, 600 Atlantic Avenue, chauffieren. Beim Aussteigen fröstelt er ein wenig, denn es ist zugig auf dem weiten, von Wolkenkratzern umstellten Platz vor der Bostoner Niederlassung der US-Zentralbank. Er ist müde, die Zeitumstellung macht sich bemerkbar.

Egal, er will die Sorgen um seine Rente loswerden. Am Eingang zeigt er seinen Pass, er bekommt einen Besucherausweis, anschließend wendet er sich nach links zu den Aufzügen. Der Vermögensverwalter, den er sucht, sitzt im 16. Stock. Oben angekommen, deutet eine Empfangsdame auf eine Gruppe hellgrauer Ledersessel. Fünf Minuten später hat der Deutsche endlich sein Ziel erreicht: "Er hat jetzt Zeit für Sie", sagt die Rezeptionistin.

"Er", das ist Mohamed El-Erian (48). Oberster Vermögensverwalter der Harvard Management Company (HMC), die das 29 Milliarden US-Dollar schwere Stiftungsvermögen der US-Eliteuniversität verwaltet. El-Erian blickt den deutschen Anleger aus dunklen, freundlichen Augen aufmerksam an: "Machen Sie sich keine Sorgen. Wir kümmern uns sorgfältig um Ihr Geld. In den vergangenen zehn Jahren haben wir im Schnitt 15,2 Prozent Rendite jährlich erwirtschaftet und nicht ein Verlustjahr gehabt. Kommen Sie wieder, wenn Sie in Rente gehen - dann können Sie sich ein schönes Vermögen abholen."

Und in genau diesem Moment piept der Wecker. El-Erian und seine 15,2 Prozent verschwinden. Der US-Profi nimmt kein Geld von Privatanlegern, arbeitet nur für die Harvard-Stiftung. Im wahren Leben haben deutsche Anleger es mit Vermögensverwaltern zu tun, die ihnen, etwa für eine Lebensversicherung, eine garantierte Verzinsung von demnächst 2,25 Prozent anbieten.

Um an dieser Stelle Missverständnissen vorzubeugen: HMC ist alles andere als ein hoch spekulativer Hedgefonds, und El-Erian ist kein Hasardeur. Seine Strategie wird von konservativen US-Honoratioren im Auftrag der Harvard-Stiftung kontrolliert. Kapitalerhalt hat wie auch bei deutschen Lebensversicherern oberste Priorität. Und die Aufseher erwarten eine jährliche Ausschüttung von um die 5 Prozent. Geld, das die Universität braucht, um Bücher zu kaufen, den Campus zu unterhalten und die Professoren zu bezahlen.

Was also haben Harvards Geldleute den deutschen Vermögensverwaltern voraus?

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