Dienstag, 22. Januar 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

3. Teil: Erhebliche Friktionen

Und tatsächlich lief zunächst alles wie geölt. Die Flensburger übernahmen 1999 eine holländische Erotikgruppe, die dem Niederländer Gerard Cok (58) gehörte. Mit der Neuerwerbung verfügte die auf den deutschsprachigen Raum fokussierte Beate Uhse plötzlich über ein üppiges Auslandsgeschäft. Die Umsätze und Gewinne stiegen; die Anleger jauchzten.

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Nicht lange. Bald zeigte sich, dass die Integration der beiden Firmen zu erheblichen Friktionen führte. So machten Pannen beim Bau des zentralen Versandlagers in Almere nahe Amsterdam über eineinhalb Jahre hinweg die Auslieferung der Ware zum Vabanquespiel. Oftmals stapelten sich Peitschen, Plastikpuppen und Penispumpen in der Halle, doch wegen technischer Probleme öffneten sich die Tore für die Lastwagen nicht.

Seit ein paar Monaten funktioniert die Logistik einigermaßen, und auch der Großhandel hinter der Lagerhalle zieht Käufer an - meist Betreiber von Sexshops. Die schieben ihre großen Wagen an den Regalreihen entlang, genauso wie bei Metro Börsen-Chart zeigen, nur dass statt Butter und Bananen paketweise Cockringe, Latexanzüge und Sadomaso-Instrumente in den Körben landen.

Die Entscheidung, das neue Zentrallager ausgerechnet in Holland zu errichten, geht nicht zuletzt auf den Niederländer Cok zurück. Nach dem Verkauf seiner Firmengruppe an Beate Uhse scheint der Unternehmer alles daranzusetzen, die Oberhand über den Mutterkonzern zu gewinnen. Unter seiner Regie wanderten der Einkauf, die Steuerung des Filial- und Großhandelsgeschäfts sowie die Logistik von Deutschland nach Holland ab.

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Im sogenannten "Sex-Eck", einem sechskantigen Betonbau in Flensburg, von dem aus die Firmengründerin einst regierte, residieren heute nur noch die Finanz- und Kommunikationsabteilung, das Callcenter und die Sparte Entertainment, zu der auch fünf bis sechs Damen gehören, die für einsame Männer ins Telefon stöhnen.

Die Aushöhlung des Standorts Flensburger zog den Austausch zahlreicher Manager nach sich. Mehrere deutsche Mitarbeiter der zweiten und dritten Führungsebene verließen das Unternehmen. An ihre Stelle rückten nicht selten Cok-Vertraute - darunter sein Sohn Erwin Cok (36), der eine Zeit lang alle Filialen beaufsichtigte, jetzt aber nur noch die Auslandsbetriebe leitet.

© manager magazin 12/2006
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