Sonntag, 24. März 2019

Beate Uhse Anrüchige Geschäfte

2. Teil: Machtlose Kleinaktionäre

Für Lindemann ist Mae B. nicht die erste Schlappe in seiner rund sechsjährigen Amtszeit als Vorstandssprecher des Flensburger Erotikkonzerns. Die Eroberung des US-Marktes scheiterte nach 6,4 Millionen Euro Verlusten. Der Kauf der Firmengruppe um das Magazin "Penthouse" und des Präservativherstellers Condomi Börsen-Chart zeigen platzte. Zudem rückten schwer nachvollziehbare Vorgänge im Aufsichtsrat und im Aktionärskreis von Beate Uhse das Unternehmen ins Zwielicht.

Ein überfordertes Management und zum Teil undurchsichtige Transaktionen der drei Hauptanteilseigner, die bis Anfang dieses Jahres zusammen rund zwei Drittel der Beate-Uhse-Papiere besaßen, haben den Kleinanlegern eine böse Erfahrung beschert: Der Aktienkurs, der kurz nach dem Börsengang im Mai 1999 auf 25 Euro geschossen war, notiert heute nur noch 4,50 Euro. Mithin ist die Beate-Uhse-Geschichte eine Warnung für Anleger: Je geringer der Streubesitz und je größer der Einfluss der ehemaligen Gründerfamilie, desto größer die Gefahr, dass Kleinaktionäre machtlos zusehen müssen, wie ihr Kapital vernichtet wird.

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Branchenkenner schließen denn auch nicht aus, dass die Beate-Uhse-Aktie noch weiter an Wert verlieren wird - zumal sich die Geschäfte in diesem Jahr alles andere als erfreulich entwickeln. Was aber wird aus dem einstigen Börsenstar, wenn der Kurs immer tiefer rutscht?

Dirk Rotermund (62), Chef des Flensburger Konkurrenten Orion und Stiefsohn von Beate Rotermund, hat die Antwort schnell parat: "Ich glaube nicht, dass das Unternehmen die nächsten fünf Jahre in der jetzigen Form überlebt. Wahrscheinlich wird der Laden von Heuschrecken gekauft und dann zerschlagen."

Eine bittere Prognose für das Lebenswerk der 2001 verstorbenen Entrepreneurin. Sie selbst hatte den Börsengang noch im Alter von 79 Jahren begleitet und mit ihrem rastlosen Werben für phallische Fantasien auf dem Parkett gesorgt.

© manager magazin 12/2006
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