Dienstag, 17. Oktober 2017

Holtzbrinck Angstschweiß

Die Schriften "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" decken ihre Kosten nicht, die Stimmung in der Verlagsgruppe ist katastrophal.

In der Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB) werden so bedeutende Publikationen hergestellt wie die immer etwas halbfertig wirkende "Wirtschaftswoche" ("Wiwo") und das "Handelsblatt", dessen Vorzug seine Ausführlichkeit ist. Auch weniger bekannte Schriften erscheinen hier, "Der Betrieb" zum Beispiel oder die "Absatzwirtschaft".

Hoch oben: Stolz, doch einsam überragt das "Handelsblatt" sich selbst
Nun ist es aber leider so, dass "Wiwo" und "Handelsblatt", bedingt durch ihre schiere Masse, eine Bedeutung haben, von der sich der Holtzbrinck-Konzern, in dessen Besitz sich die VHB befindet, wünschen würde, sie wäre geringer: Denn beide Schriftgüter befinden sich in einem bejammernswerten Zustand. Ihre Gewinne sind so klein, dass sie die Kosten, sie zu suchen, nicht mehr decken.

"Jedes Blatt für sich allein ist im Plus", sagt ein Offizieller - allerdings sei es ihnen schlechthin unmöglich, den "Kostensockel von 6 Prozent mitzufinanzieren": Mieten, Pförtner, Sekretärinnen, Reinigungskräfte, IT-Umlagen. Die Zahlen sind nicht so rot wie die Feuerwehr, glühen aber wie eine wunde Stelle. Der Betrieb des Hauses bereitet Sorgen.

Der vormalige VHB-Leiter Harald Müsse (57) hatte wenig verkehrt, aber noch weniger richtig gemacht. Im August griff Holtzbrinck-Stratege Michael Grabner (58) mit der für ihn typischen Mischung aus Verdruss und Behaglichkeit in die Missgeschicke ein, zog Müsse aus dem Verkehr und setzte Laurence Mehl (37) und Tobias Schulz-Isenbeck (38) an seine Stelle, der erste ein Online-Geschäftsführer von der "Westdeutschen Allgemeinen", der zweite ein Rechner aus der Holtzbrinck-Zentrale.

Grabner erwartet, dass die Talente dem Stammgeschäftsverschleiß mit Gewandtheit, lebhafter Freude am Neuen und ein paar klugen Kombinationen beikommen. Den Holtzbrinck-Mann leitet die Routine des Geschäfts: "Verlag und Redaktionen werden noch härter und effizienter arbeiten müssen. Topmarken fordern maximale Leistung."

© manager magazin 11/2006
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