Mittwoch, 14. November 2018

Was macht eigentlich Werner Breitschwerdt?

Der Mann lebt Daimler, noch immer. Auch wenn 19 Jahre vergangen sind, seit Werner Breitschwerdt den Vorstandsvorsitz bei der damaligen Daimler-Benz AG niedergelegt hat.

Es wird passieren. Werner Breitschwerdt wird noch in diesem Monat anrufen, wenn er den neuen Mercedes CL bekommen und ausprobiert hat.

Werner Breitschwerdt, ehemaliger Vorstandschef der Daimler-Benz AG, steht noch heute in engem Kontakt zu den Entwicklern
So gut kann das neue Modell gar nicht sein, dass der frühere Entwicklungs- und Vorstandschef der damaligen Daimler-Benz AG keine Schwäche fände. "Wenn man so lange dabei ist, hört man alles", sagt er. Etwa, dass der Wagen beim Herunterschalten zu laut ist. "Dann gebe ich das natürlich an die Entwickler weiter."

19 Jahre sind vergangen, seit Werner Breitschwerdt 1987 den Vorstandsvorsitz niedergelegt hat. Viele Ämter hatte er in der Zwischenzeit, war Leiter des Daimler-Projekts Potsdamer Platz, Aufsichtsrat bei Continental, MTU Friedrichshafen und dem Baukonzern Züblin. Er war Mitbesitzer eines Unternehmens für Lastwagenaufbauten in Dresden und besitzt dort noch heute einen Gewerbepark.

Und doch scheint es, als sei ihm nur ein Unternehmen wirklich wichtig: Daimler. Dreimal pro Woche kommt Breitschwerdt in sein Büro im elften Stock des Mercedes-Hochhauses in Untertürkheim. Einmal im Monat trifft er sich mit den "alten Daimlern", einer Truppe von 50 ehemaligen Konzerngrößen. Breitschwerdt leitet das Kuratorium der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung.

Und er sitzt noch im Aufsichtsrat der Konzerntochter Mercedes-Benz USA. "Aber da werde ich mich noch vor meinem 80. Geburtstag verabschieden", kündigt er an. "Man sollte in dem Alter nicht mehr in Aufsichtsräten sitzen."

Der Mann lebt Daimler, noch immer. Eine solche Treue ist selten geworden; er kritisiert das. "Es gibt heute zu viele Leute, die nur noch einen Job machen und das Unternehmen beim erstbesten Angebot verlassen", sagt er.

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