Sonntag, 9. Dezember 2018

Dalli-Gruppe Die Melkschemel-Theorie

Im Stolberger Waschmittel- und Pharmakonzern Dalli hat nur noch ein Stamm der Eigentümerfamilie Wirtz das Sagen.

Hermann Wirtz (61), Gesellschafter und Geschäftsführer der Stolberger Dalli-Gruppe, kann als leutseliger Mensch durchgehen. Geschäfte schließt er gern per Handschlag ab. Sein Bierchen trinkt er auch mal in den örtlichen Gaststätten "Postwagen" oder "Haus Rosenthal". Und als Dieter Bohlen (52) einmal zögerte, bevor er mit ihm einen Lizenzvertrag über ein Parfüm schloss, spaßte Wirtz: "Dieter, wenn du jetzt nicht unterschreibst, dann kriegst du nichts zum Abendessen."

Ja, das Leben kann lustig sein, wenn man zur Familie Wirtz gehört, die mit einem geschätzten Vermögen von 2,9 Milliarden Euro zu den 30 Reichsten der Republik zählt. Noch vergnüglicher ist es, wenn es einem gelingt, aus einem familiären Streit über die Zukunft des Unternehmens als Sieger und künftig Mächtigster des Clans hervorzugehen. Genau das hat Hermann Wirtz geschafft.

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Von Scharmützeln bei den Wirtzens drang bisher selten etwas nach außen. Denn üblicherweise geben sich Unternehmen und Familie verschlossen wie eine Waschmaschine während des Schleudergangs.

Wer das Imperium verstehen will, muss sich die Zahl "drei" merken: Es gibt drei Stämme - die Brüder Michael (67) und Hermann Wirtz, deren Vettern Andreas (72) und Franz (73) sowie die Erben des verstorbenen Richard; zudem existieren drei Geschäftsbereiche - der Waschmittelproduzent Dalli ("Dalli", "Tandil"), dessen Parfümerietochter Mäurer + Wirtz, ("Tabac", "Nonchalance") sowie die Pharmafirma Grünenthal ("Tramal", "Tramadol").

Mit etwa 6500 Mitarbeitern produziert die Gruppe regelmäßig einen schönen Jahresumsatz von bald 1,4 Milliarden Euro. Aber nicht immer schöne Erträge. Und genau hier beginnt, wie so oft im Geschäftsleben, das Problem.

Das Jahr 2005 wird in die 160-jährige Unternehmensgeschichte als miserabel eingehen - wenn auch nicht als existenzbedrohend wie einst der Contergan-Skandal. Das Grünenthal-Schlafmittel hatte Ende der 50er Jahre tausendfach zu Missbildungen bei Neugeborenen geführt, wenn es von Frauen während der Schwangerschaft eingenommen worden war.

Während die Pharmafirma im vergangenen Jahr anständige Pillen und Erträge lieferte, schrieb nun der Waschmittelhersteller Dalli tiefrote Zahlen, gerade eben so ausgeglichen durch die Parfümtochter. Noch alarmierender: Der Großkunde Aldi (Tandil) drohte, wie es in Marktkreisen heißt, wegen Lieferproblemen mit Liebesentzug.

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